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Es war ein Fehler, überhaupt hierher zu kommen. An diesen unwirtlichen Ort, wo Gewalt und Willkür regieren. Auf diesen Planeten namens Erde. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten schwebt das riesengroße Raumschiff schon über Johannesburg. Und seine Besatzung, jene bemitleidenswerten Kreaturen, die ein wenig an den Kiemenmenschen aus dem Jack Arnold B-Movie-Klassiker "Der Schrecken vom Amazonas" (1954) erinnern, sind zum Bleiben verdammt. Denn die Regierung von Südafrika hält sie unter unwürdigen Bedingungen in einem von Stacheldraht umzäunten, müllübersäten, kameraüberwachten Lager, dem District 9, gefangen.
Schon lange ist es an der Zeit gewesen, endlich mit der Science Fiction-Mär aufzuräumen, Außerirdische könnten auf der Erde landen, um die Menschheit zu versklaven oder gar auszulöschen, wo es doch andersherum so viel wahrscheinlicher erscheint. In "District 9", von Peter Jackson ("Der Herr der Ringe", "King Kong") produziert, wird nun ein lange überfälliges Realitätsupdate vollzogen, indem die Aliens zu hilfslosen Opfern der Erdbevölkerung gemacht werden.
Auch Wilkus van der Merwe (Sharlto Copley), der Protagonist von "District 9", ist Teil dieses Unterdrückungssystems, auch er zeigt zunächst wenig Mitleid mit den Aliens, deren Behausungen er im Auftrag seines Arbeitgebers MNU durchsucht. Doch dann geht etwas schief und Wilkus vollzieht den Wandel vom Täter zum Opfer, als er sich bei einer Routineuntersuchung mit Alien-DNA infiziert. Von nun an ist Wilkus ein Gejagter, denn mit ihm, dem Bindeglied zwischen Mensch und Alien, könnte es endlich gelingen herauszufinden, wie die hochtechnisierten, auf DNA-Basis operierenden Waffensysteme der Extraterrestrischen funktionieren. Nur, dass Wilkus darauf nicht die geringste Lust hat und flieht.
Gedreht wurde "District 9" in einem Township von Johannesburg, was zum extrem realistischen Look des Films beiträgt. In seiner visuellen Ästhetik verfolgt das Langfilmdebüt des südafrikanischen Regisseurs Neill Blomkamp ähnliche Strategien wie zuvor "Blair Witch Project" (1999) oder "
Cloverfield" (2008): Durch schnelle Zooms und ruckelige Schwenks entsteht ein pseudo-authentisches Handkamera-Feeling, das einem das Gefühl gibt, mitten drin im Geschehen zu sein. Gleichzeitig wird man aufgrund der fehlenden Totalen Opfer einer permanenten Sinnesverwirrung. Kontrastiert und ergänzt werden diese Szenen durch eingestreute TV-Aufnahmen, schwarz-weiße Überwachungskamerabilder und Interviews mit Beteiligten.
Selten zuvor wurde
Rassismus als Prinzip so sehr ins Zentrum eines Films gerückt. In Blomkamps Films diskriminiert wirklich jeder jeden: Der britisch sozialisierte Schwiegervater blickt auf den in Südafrika aufgewachsenen Wilkus herab, der sich wiederum den Schwarzen überlegen fühlt. Diese versuchen, durch Waffenhandel, Prostitution und den Verkauf von Katzenfutter, nach dem die Aliens süchtig sind, ökonomischen Profit aus der Situation zu schlagen. Diese Perspektive, die eben keine klare Schwarz-Weiß-Malerei ermöglicht, macht "District 9" zu einem wichtigen Film, der trotz des brisanten Themas stets spannend und zudem überaus unterhaltsam ist.
Andreas Resch District 9, USA, Neuseeland 2009, Regie: Neill Blomkamp, Buch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell, mit Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt, Sylvaine Strike, Elizabeth Mkandawie u. a., ab 16, 112 min, Kinostart: 10. September 2009 bei Sony Pictures
Foto: Verleih
www.district9movie.comWebsite zum Film (englisch)
www.district9-film.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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