Kleine Tricks

Glücklichmacherfilm

Kinostart: 23.7.2009 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Gleißend und schwer brütet die Sonne über der kleinen polnischen Provinzstadt. Baufällige Häuser, ausgeblichene Farben, nur ein bisschen Grün hier und da. Kaum jemand ist auf den Straßen, die Zeit scheint stillzustehen. Kein besonders guter Ort für einen gelangweilten kleinen Jungen wie Stefek. Er ist sieben Jahre alt und hat Schulferien. Gleichaltrige Spielkameraden interessieren ihn nicht. Lieber stromert er durch den Ort, ärgert seine ältere Schwester Elka, versucht die Tauben des alten Nachbarn zu überlisten oder beobachtet die seltenen einfahrenden Züge am Bahnhof. Eines Tages glaubt er, dort seinen Vater, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat, entdeckt zu haben. Von nun an belauert er den Mann, der jeden Tag  für eine Zigarettenlänge den Zug verlässt. Denn Stefek wünscht sich nichts sehnlicher als die Rückkehr des Vaters, von dem er nur noch ein überkritzeltes Foto besitzt. Aber um das zu erreichen, muss man dem Schicksal mit kleinen Tricks nachhelfen.
Oft sind es die unspektakulären und alltäglichen Geschichten, die uns sofort in den Bann ziehen. "Kleine Tricks" ist genau so eine, die Regisseur und Drehbuchautor Andrzej Jakimowski mit Laien- und Profidarstellern/innen und wenig technischem Aufwand realisiert hat. Bei den Dreharbeiten ließ der Regisseur die Kamera oft einfach ohne Wissen der Schauspieler/innen laufen, um deren spontanes Spiel "aus dem Verborgenen zu stehlen". Dadurch erreicht er eine erfrischende, authentische Präsenz seiner Figuren. Darüber hinaus hält der Film mit viel Charme und hintergründigem Witz scheinbar spielend die Balance zwischen genauer Alltagsbeobachtung des Provinzlebens und einer nahezu schwebenden Leichtigkeit. Aus der kindlichen Perspektive des Jungen erzählt, singt er ein nostalgisches Hohelied auf die mythisch unverdorbene Provinz, wo sich alle kennen und einander helfen, wenn es nötig ist. Städter/innen könnten neidisch werden. Aber genau das macht den Film so liebenswert: die leicht märchenhafte Story, wahrhaftige Figuren, dazu melancholische Balkan-Scheppermusik. Mehr braucht man manchmal nicht zum Glücklichsein.
Ingrid Beerbaum

(Sztuczki) Polen 2007, Buch & Regie: Andrzej Jakimowski, mit Damian Ul, Ewelina Walendziak, Rafal Guzniczak, Tomasz Sapryk, Iwona Fornalczyk u.a., 96 min, Kinostart: 23. Juli 2009 bei Kool

Foto: Verleih


www.sztuczki-film.pl
Website zum Film (polnisch, englisch)
www.kleinetricks.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
www.visionkino.de
Filmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
www.kinofenster.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de





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