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Brüno

Der Kamikaze-Komiker

Kinostart: 9.7.2009 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Nachdem Sacha Baron Cohen vor drei Jahren den Kasachen Borat auf seine satirische Reise in die USA schickte, führt der britische Komiker nun Träume vom medialen Ruhm ab absurdum: Als sehr, sehr schwuler Modejournalist Brüno aus Österreich ist er in der gleichnamigen Komödie bereit, wirklich alles dafür zu tun, um weltweite Berühmtheit zu erlangen und der "größte österreichische Superstar seit Hitler" zu werden.

Im Grunde ist "Brüno" dabei eigentlich derselbe Film wie "Borat" – nur eben mit einer anderen Kunstfigur: Abermals werden die Grenzen zwischen Fiktion und Doku-Elementen verwischt, während Cohen seinen noch extremer auf Provokation und furchtlose Geschmacklosigkeiten getrimmten Humor einsetzt. So kitzelt er auch dieses Mal äußerst entlarvende Statements aus seinen Interviewpartnern/innen heraus. Doch kann er dabei nicht wie in "Borat" auf die unbedarfte Direktheit des Kasachen, die kulturellen Stereotypen und die Unsicherheit im Umgang mit dem Fremden zurückgreifen. Stattdessen treibt er nun Queer-Klischees mit deutschem Fantasieakzent, blassem Assistenten und flamboyanten Outfits auf die Spitze und springt seine Gegenüber mit seinem Schwulsein regelrecht an: Mal versucht er dabei einen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten auf dem Hotelzimmer zu verführen, mal sagt er einem Pastor, der ihm die Homosexualität austreiben will, dass dessen Lippen bestens für Oralsex geeignet wären.

"Brüno" entwickelt sich dennoch mit seiner groben, übergeordneten Handlung zu einer Komödie, die von Anfang an mit halsbrecherischem Tempo Ideen um sich schleudert. Die bewegen sich nicht nur respektlos zwischen Subversion und Derbheit, sondern oft auch auf einem schmalen Grat – vor allem im Umgang mit schwulen Stereotypen. Erwartungsgemäß schont Cohen dabei weder seine Gegenüber noch sich selbst und begibt sich bei seinen Grenzüberschreitungen in diverse Gefahrenzonen. So läuft der Kamikaze-Komiker im knappen Chasidim-Kostümchen an aufgebrachten orthodoxen Juden vorbei oder bezeichnet im Gespräch mit einem Führer der Al-Aqsa-Brigaden Osama Bin Laden als obdachlosen Weihnachtsmann. Nur eine Szene, in der er La Toya Jackson auf einem Mexikaner sitzend nach der Telefonnummer ihres Bruders fragt, hat er nun kurzfristig aus gegebenem Anlass doch wieder entfernt.

Nach Filmen mit dem tumben weißen Rapper Ali G., mit Borat und nun mit Brüno hat sich das Kunstfigurentrio, das sich Cohen einst für "Da Ali G. Show" ausdachte, erschöpft. Dabei dürfte es für ihn ob seiner eigenen Berühmtheit mittlerweiler schwieriger gewesen sein, nicht in seiner Rolle als überdrehter Modereporter entlarvt zu werden. Trotzdem geht hier seine Rechnung noch ein wahrscheinlich letztes Mal auf in der vermutlich komischsten Komödienherausforderung des Jahres.
Sascha Rettig

Brüno, USA 2009, Regie: Larry Charles, Buch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Dan Mazer, Jeff Schaffer, mit Sacha Baron Cohen, Richard Bey, Ron Paul, Alice Evans, Trishelle Cannatella u.a., ab 16, 83 min, Kinostart: 9. Juli 2009 bei Universal

Foto: Verleih


www.sonypictures.net/movies/bruno
Website zum Film (englisch)
www.brüno-film.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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