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Flash of Genius

Eine Sache des Prinzips

Kinostart: 25.6.2009 | Jörn Hetebrügge | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Jedes Ding hat eine/n Erfinder/in. "Flash of Genius" erzählt die Geschichte von Robert Kearns (Greg Kinnear), einem Professor an einer unbedeutenden US-Uni, der der Menschheit Anfang der 1960er-Jahre den Intervallscheibenwischer beschert – eine Entwicklung, an der die Autoindustrie damals schon lange brütete. So ist Kearns denn auch überzeugt, dass ihm der große Wurf gelungen ist. Doch als er glaubt, mit Ford handelseinig geworden zu sein, wird er bitter enttäuscht. Der Automobil-Riese kopiert seine Idee und bringt sie selbst auf den Markt. Kearns aber lässt sich nicht unterkriegen. Er beginnt einen aussichtslos erscheinenden Rechtsstreit, der sich über zwei Jahrzehnte hinzieht und den er mit Familienglück, Freundschaften, Beruf und beinahe auch mit seinem Verstand beszahlt.

Ein Mann allein gegen die skrupellose Industrie. In Zeiten der Krise wirkt das besonders aktuell. Aber natürlich ist dieses David-und-Goliath-Muster nicht neu im US-Kino: Francis Ford Coppola hat es in "Tucker" (1988) ebenso aufgegriffen wie Michael Mann in "Insider" (1999). Mit diesen Filmen aber hat Marc Abrahams "Flash of Genius" letztlich wenig gemein: Kearns ist kein Visionär, und in seinem Fall geht es auch nicht um die Entlarvung einer mörderischen Branche. Er ähnelt mehr einem Capra'schen Helden: Er ist der aufrechte, naive Amerikaner, der – konfrontiert mit der Unmoral – zum Kämpfer für die Gerechtigkeit wird. Es geht ihm ums Prinzip. Es geht um uramerikanische Werte.

Während Frank Capras Klassiker aber zu ihrer Märchenhaftigkeit stehen, beharrt Abraham darauf, eine "wahre Geschichte" zu erzählen – ohne jedoch auf die sentimentale Erzählweise zu verzichten. So wirkt der Film letztlich unentschlossen: Um als Heldenstory zu funktionieren, bleibt er zu dicht an den Fakten. Um als authentisches Drama eines Mannes zu fesseln, der droht, zum verbohrten Moralisten zu werden, bleibt "Flash of Genius" zu schematisch, zeigt das Drehbuch vor allem zu wenig Interesse für die Nebenfiguren: So gewinnt Kearns Familie – trotz US-typischer Beschwörung der family values – kaum an Plastizität, so wirken die Bösewichter der Industrie wie Behauptungen. Dabei hat "Flash of Genius" unübersehbare Qualitäten: Setdesign und Kamera fangen wunderbar den Look der Jahrzehnte ein. Und in der Hauptrolle ist Greg Kinnear, wie eigentlich immer, exzellent. Trotzdem verlässt man nach 119 Minuten das Kino im Gefühl, der Film hätte besser 90 dauern sollen – oder aber 150.
Jörn Hetebrügge

Flash of Genius, USA 2008, Regie: Marc Abraham, Buch: Philip Railsback, mit Greg Kinnear, Lauren Graham, Dermot Mulroney, Alan Alda, Jake Abel u.a., 119 min, Kinostart: 25. Juni 2009 bei Kinowelt

Foto: Verleih


www.flashofgenius.net
Website zum Film (englisch)
www.flashofgenius.kinowelt.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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