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Eine der effektivsten Möglichkeiten, eine Beziehung auf die Probe zu stellen, ist sicherlich ein gemeinsamer Urlaub. Der bringt schließlich nicht notwendigerweise die gewünschte Erholung, sondern auch eine Herausforderung mit sich: Während dieser Zeit ist man dauerhaft zusammen und muss sich beim Faulenzen zwangsläufig miteinander auseinander setzen. Ohne dass man dabei auf die Rückzugsmöglichkeiten des Alltags ausweichen kann, wird man im Urlaub komplett aufeinander zurückgeworfen. In genau dieser Situation befindet sich auch das Paar in Maren Ades zweitem Film "Alle anderen", der auf der vergangenen Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.
Im Zentrum stehen Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger). Sie ist eine quirlige Musik-PR-Frau. Er ein unzufriedener Architekt, dessen Karriere noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist. Beide sind so um die 30 und zusammen im abgelegenen Ferienhaus seiner Eltern auf Sardinien. Es ist ein kleiner, intimer Rahmen, den Regisseurin Ade auch bis zum Ende beibehält. Nur ein weiteres Paar kommt kurz dazu, Hans und Sana, die ganz anders sind. Die sind die Angepassten mit der bürgerlichen Existenz und alter Rollenaufteilung, die bei Chris und Gitti einige Fragen über ihre eigene Beziehung aufwerfen. Während Gitti dabei eher die Konfrontation sucht, zieht Chris sich zunehmend in seine eigene Gedankenwelt zurück.
Schon in ihrem hervorragenden Debüt "
Der Wald vor lauter Bäumen" erkundete Ade mit Präzision das Seelenleben einer einsamen Lehrerin. Diese seltene Genauigkeit, in der das Komische und das Schmerzhafte immer wieder sehr dicht beieinander liegen, zeichnet nun auch "Alle anderen" aus. Sie findet sich in den Dialogen ebenso wieder wie in den kleinsten Ausstattungsdetails oder dem herausragenden, vertraut natürlichen Spiel der beiden Hauptdarsteller Minichmayr und Eidinger.
Ade beobachtet ihre zärtliche Nähe und die kleinen Rituale, die jedes Paar entwickelt, ihre Konflikte und kleinen Gefechte auf der Urlaubsinsel. Chris und Gitti kommen sich ganz nah, sind sich dann doch wieder fremd. Sie wollen zusammensein, entwickeln aber doch immer wieder ihre Zweifel. Lebt man überhaupt das Leben und die Beziehung, die man leben will? Und welcher Lebensentwurf ist der richtige? Anhand dieser Fragen zeigt "Alle anderen" auf spektakulär unspektakuläre Weise, wie es nun mal immer wieder so sein kann mit der Liebe, die – durchaus symptomatisch für die Großstadtgeneration 30plus – zwischen Missverständnissen, Widersprüchen und der Angst vor dem Angepasst-Sein immer wieder verloren zu gehen droht.
Sascha RettigAlle anderen, Deutschland 2008, Buch & Regie: Maren Ade, mit Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, Mira Partecke u.a., 119 min, Kinostart: 18. Juni 2009 bei Prokino
Foto: Verleih
www.alle-anderen.deWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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