I Dreamt Under the Water

Reise ins Nichts

Kinostart: 18.6.2009 | Christian Horn | Kommentar schreiben | Artikel drucken
"I Dreamt Under the Water" ist ein Film über Menschen am Abgrund. Menschen, die sich selbst zerstören, die um Glück ringen und sich dabei schon selbst aufgegeben haben. Der französische Regisseur Hormoz erzählt in seinem Debütfilm von Antonin, einem jungen Mann, der sich in seinen drogensüchtigen Freund Alex verliebt hat. Doch bevor Antonin seinem Freund die Liebe gestehen kann, findet er diesen tot auf einer Toilette. Für unseren Protagonisten beginnt nun ein fataler Abstieg, ein allzu langer Blick in den Abgrund. Er stürzt sich in Eskapaden, verkauft seinen Körper an fremde Männer und verkriecht sich in einen Drogenrausch. Als er Juliette kennen lernt, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Seine Liebe zu ihr gibt ihm neue Kraft (er sieht so gut aus wie schon lange nicht mehr), doch auch dieser Hoffnungsschimmer ist nicht die letzte Erlösung.
Hormoz erzählt diese trostlose Geschichte, die ein wenig an die Abwärtsspiralen Gaspar Noés ("Irreversibel") erinnert, auf sehr lyrische, bisweilen experimentelle Weise. Es sind die von der hypnotischen, entfesselten Kamera eingefangenen Bilder, die einen Gutteil der Geschichte erzählen. "I Dreamt Under the Water" funktioniert daher zuvorderst über Stimmungen und Atmosphäre. Antonins Geschichte wird beinahe ausschließlich im Dunklen erzählt, in trostlosen, dreckigen Ecken von Paris, nachts und im Regen. Hormoz lässt seine Figur in abgedunkelten Wohnungen und mit Rotlicht ausgeleuchteten Clubs stranden und erst kurz bevor er auf Juliette trifft, kündigt ein blauer Himmel die Besserung an. Eine Zeit lang wird "I Dreamt Under the Water" dann so etwas wie ein Liebesfilm, das Dunkel lichtet sich und es wird Tag. Antonin und Juliette liegen nackt am Strand: Je t’aime. Hormoz findet kurz darauf ein wunderbares Schlussbild, aber die Reise seines Helden ist noch nicht vorbei. Es geht noch einmal abwärts, in die Nacht, in die Leere.

"I Dreamt Under the Water" ist ein kompromissloser Film, der explizite Bilder von Sex und Verzweiflung zeigt, jedoch nicht in puren Exhibitionismus verfällt. Das Psychogramm seiner Hauptfigur behauptet mehr, als es ergründet; die Dialoge sind sparsam, die Bilder und deren elektronische Musikuntermalung dafür umso aussagekräftiger. Keine leichte Kost (in vielerlei Hinsicht), aber ein lohnenswerter Rausch.
Christian Horn

(J'ai rêvé sous l'eau) Frankreich 2008, Regie: Hormoz, Buch: Philippe Arrizabalaga, Hormoz, mit Hubert Benhamdine, Caroline Ducey, Christine Boisson, Hicham Nazza, OmU, ab 18, 99 min, Kinostart: 18. Juni 2009 bei Pro-Fun

Foto: Verleih


http://hormoz.free.fr
Website zum Film (französisch)
www.pro-fun.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de

Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)