Rachida

Wenn die Angst regiert

Kinostart: 11.12.2003 | Jana Schäfer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Dieses Filmdebüt aus Algerien beginnt mit einer Nahaufnahme eines roten Lippenstifts. Rachida schminkt ihre Lippen und schüttelt ihre Locken. Sie trägt kein Kopftuch. Sie ist eine moderne junge Frau, eine Lehrerin in Algier, und sie macht sich fertig für das Klassenfoto. Sie scherzt mit der Kollegin, dass vielleicht einer der Schüler einen Bruder zum Heiraten habe. Nur wenige Szenen später wird Rachida auf offener Straße von jungen Männern überfallen und niedergeschossen. Sie hatte abgelehnt, eine Bombe mit in die Schule zu nehmen. Ab hier ist klar, dass es in diesem Film nicht um eine Liebesgeschichte geht, sondern um alltäglichen Terror und um eine Gesellschaft, in der die Angst regiert. Rachida überlebt schwerverletzt. Mit ihrer Mutter versteckt sie sich auf dem Land. Sie beginnt, wieder als Lehrerin zu arbeiten, und versucht, in das normale Leben zurückzufinden. Aber die dörfliche Idylle trügt.
Und es geht auch noch um eine andere Gewalt: die Gewalt der Tradition, der kulturellen Normen. Eine junge Frau, von Terroristen vergewaltigt, wird von ihrem Vater verstoßen. Rachida traut sich nicht in das örtliche Hamam, weil man ihre Schussverletzung für einen Kaiserschnitt halten könnte - unmöglich für eine unverheiratete junge Frau. Auch Rachidas Mutter Aicha ist Außenseiterin: Sie ist eine geschiedene Frau.

Der Film gibt einen Einblick in das alltägliche Leben mit der Angst in Algerien, aber er erklärt den Terror nicht. Im Mittelpunkt des Films stehen nicht die Terroristen, sondern die Geschichten der Frauen. Und Terroristen sind hier keine bärtigen Krieger, sondern scheinbar ganz normale junge Männer. Diese Männer sind unsere Kinder, sagt Regisseurin Yamina Bachir Chouikh. Als eine Hymne an den Frieden und das Leben möchte sie ihren Film verstanden wissen. Das Leben in einem Land, das die meisten von uns in Europa nur von Schreckensmeldungen der Nachrichten kennen, bekommt mit "Rachida" ein menschliches Gesicht.
Jana Schäfer

Rachida, Algerien, Frankreich 2002, Buch und Regie: Yamina Bachir Chouikh, mit Ibtissem Djouadi, Bahia Rachedi, Rachida Messaouden, Zahi Boudikenafed, OmU, Kinostart: 11. Dezember 2003 bei Kairos Film

Foto: Verleih


www.kairosfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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