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Simons Geheimnis

Eine Lüge mit Folgen

Kinostart: 21.5.2009 | Stefan Stiletto | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Ein junger Mann arabischer Herkunft plant, ein Flugzeug auf dem Weg von Kanada nach Israel in die Luft zu sprengen. Die Bombe versteckt er in dem Koffer seiner schwangeren Frau. Aber der Anschlag wird vereitelt. Wäre es nicht irgendwie cool, sich vorzustellen, der Sohn dieses Paares zu sein? Angeregt durch einen Zeitungstext beginnt Simon in der Schule, in dessen Rolle zu schlüpfen. So überzeugend schildert er die Hassliebe zu dem Vater und das Unbehagen an der dunklen Vergangenheit, dass seine Lehrerin ihn bittet, seine Geschichte als Schauspiel vorzutragen. Simon willigt ein. Um glaubwürdiger zu wirken, erzählt er niemandem von dem geheimen Projekt, nicht einmal seinem Onkel, bei dem er seit dem Tod seiner Eltern lebt. Schnell entspinnt sich in Video-Chats unter seinen Freunden eine lebhafte Diskussion über die Motive von Simons vermeintlichem Vater und wie sein Sohn zu ihm stehen sollte. Die Lüge gerät außer Kontrolle, bald mischen sich auch die Eltern von Simons Mitschülern/innen in die Debatte ein. Die größten Veränderungen jedoch geschehen in Simons Zuhause. Seine Geschichte trägt dazu bei, dass immer mehr verdrängte Erinnerungen allmählich ans Tageslicht kommen.

Atom Egoyan inszeniert "Simons Geheimnis" als Puzzle aus Zeitebenen und Beziehungen. Mit jeder Szene wird das Bild vollständiger – aber je mehr zu sehen ist, desto komplexer und uneindeutiger wird das Gesamtbild auch. Von den Zuschauern/innen erfordert das viel Konzentration, wenn sie der Geschichte folgen wollen. Was am Anfang nur ein harmloses Spiel ist, ein Tagtraum, bleibt für Simon nicht ohne Folgen. Zwar war sein Vater kein Terrorist, aber er ist ihm ebenso fremd geblieben. Dass der Großvater ihn immer wieder für den Tod von Simons Mutter verantwortlich gemacht hat und sein Onkel überaus schweigsam ist, macht die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte für Simon nicht gerade leicht. So beginnt er, unbequeme Fragen zu stellen, die um persönliche Themen wie Schuld und Vergebung kreisen, aber auch um gesellschaftliche wie Terrorismus, Religion und Diskriminierung. Simon bemüht sich darum, eine Haltung zu finden – inmitten von unpersönlichen Gesprächen über das Internet sowie von Fotografien und Videoaufzeichnungen, die Erinnerungen einfrieren.
Stefan Stiletto

(Adoration) Kanada 2008, Buch & Regie: Atom Egoyan, mit Devon Bostick, Arsinée Khanjian, Scott Speedman, Rachel Blanchard, Noam Jenkins u.a., 100 min, Kinostart: 21. Mai 2009 bei X Verleih

Foto: Verleih


www.sonyclassics.com/adoration
Website zum Film (englisch)
www.simonsgeheimnis.x-verleih.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
www.visionkino.de
Filmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
www.kinofenster.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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