Nach der Musik

Porträt eines Vaters

Kinostart: 14.5.2009 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Debüts von jungen Filmemachern sind häufig biografisch inspiriert. Die Suche nach der eigenen Identität kann auch für andere interessant sein. Noch einmal besonders ist diese Suche dann, wenn die Biografie des Suchers Geschichte widerspiegelt, so wie die des Regisseurs Igor Heitzmann. Sein Vater ist der bekannte Dirigent Otmar Suitner, der 26 Jahre lang Generalmusikdirektor der Ost-Berliner Staatsoper war. Im Jahr 1960 kam er zunächst als Leiter der Dresdner Staatskapelle mit seiner Frau in die DDR und ging vier Jahre später nach Ost-Berlin, wo er bis 1990 das Staatsopernorchester leitete. Als gebürtiger Österreicher hatte Suitner eine Sonderstellung und konnte ungehindert zwischen West und Ost reisen. Zudem war sein Umzug rein künstlerisch motiviert, was ihn jedoch nicht von Bespitzelungen ausnahm. Bei einem Gastspiel lernte er Heitzmanns Mutter kennen und verliebte sich in sie, verließ jedoch seine Frau nicht, sondern pendelte zwischen Ost- und West-Berlin hin und her. 
Ein Mann mit zwei Frauen in zwei Welten, die voneinander wussten und inzwischen sogar manchmal miteinander essen gehen. Was vielleicht ideal klingen mag, für Suitner war das ein Balanceakt, der von allen Beteiligten viel Kraft forderte. Vater konnte er nur an raren Wochenenden sein und schrieb seinem Sohn Igor, der in West-Berlin aufwuchs, liebevolle, warmherzige Briefe.

Diese Briefe und einige Fotos bilden sozusagen das Grundgerüst für Heitzmanns erste Langdokumentation "Nach der Musik", in der er versucht, seinen meist abwesenden Wochenendvater besser zu verstehen und wirklich kennen zu lernen. Das geht nur über die Musik und seine Arbeit, die er kurz nach der Wende krankheitsbedingt aufgeben musste. Heitzmann spricht mit Suitner selbst, der Ehefrau Marita und mit seiner Mutter Renate. Mit seinen Eltern fährt er nach Bayreuth und allein mit dem Vater in dessen Heimat Tirol, dauernd auf der Suche nach dem, was ihn selbst und auch seinen Vater ausmacht. Und immer ist die Musik dabei, ob als Tondokument oder Gesprächsthema. So ist der Film nicht nur Identitätssuche und Annäherung an den Vater, sondern auch ein berührendes Künstlerporträt. Am Schluss gelingt es Heitzmann, seinen Vater zu einem Wiedersehenskonzert mit dem alten Orchester und seinen Lieblingsstücken zu überreden, noch einmal "a bissel zu fuchteln", wie der es nennt. Dieser Tage feiert er seinen 87. Geburtstag.
Ingrid Beerbaum

Nach der Musik, Dokumentarfilm, Deutschland 2007, Buch & Regie: Igor Heitzmann, mit Otmar Suitner, Marita Suitner, Renate Heitzmann, Igor Heitzmann u.a., 105 min, Kinostart: 14. Mai 2009 bei Weltecho

Foto: Verleih


www.nachdermusik.de
Website zum Film (deutsch, englisch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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