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Die wundersame Welt der Waschkraft

Die Menschen hinter den Laken

Kinostart: 7.5.2009 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Auch in Luxushotels wird beim Essen gekleckert – und die ehemals schneeweiße Tischdecke gleich ausgetauscht. All die fleckigen Tischdecken und Servietten, die benutzten Handtücher und Bettlaken wachsen ständig zu einem Berg von Schmutzwäsche heran. Und wer sorgt dafür, dass am nächsten Tag wieder alles schick sauber ist? Die Nobelherbergen in Berlin haben dafür eine billige Lösung gefunden: Sie lassen LKW-Ladungen voll mit Schmutzwäsche tagtäglich nach Polen bringen. Kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze, im kleinen Ort Gryfina, steht gleich neben dem heißen Dampf liefernden Kraftwerk die deutsche Wäscherei Fliegel. Vierhundert polnische Angestellte arbeiten hier zu niedrigen Löhnen rund um die Uhr und sorgen dafür, dass die Wäsche schnell wieder blütenrein zurück in Richtung Berlin auf dem Weg ist. 

Regisseur Hans-Christian Schmid ("Requiem") ist dieser Spur der Hotellaken gefolgt und findet sich wie schon in seinem Film "Lichter" im deutsch-polnischen Grenzverkehr wieder. Dabei wirkt seine erste Doku "Die wundersame Welt der Waschkraft" durchaus wie eine verlorene Episode aus dem Episodendrama. Denn auch wenn die kritischen Aspekte etwa zum Thema Niedriglöhne anklingen, geht es Schmid schließlich nicht um eine flammende Anklage der Arbeitsbedingungen, unter denen die Angestellten im Eiltempo reinigen, bügeln und sorgfältig Bademäntel und Bettzeug zusammenlegen.

Stattdessen interessiert er sich für die Menschen hinter dieser Arbeit und deren Lebenssituation: für Monika beispielsweise, die genau wie ihr Mann Schichten schiebt, und deren Tochter Marta, die ihren Job in der Wäscherei verloren hat. Für Beata, die mit ihren drei Kindern, ihrem Freund und dessen Ex-Frau unter einem Dach zusammenlebt. Und für Beatas Mutter Lidia, die ein halbes Jahr nach England gehen will, um ein wenig Geld dazuzuverdienen. Mit nüchternem Blick begleitet Schmid diese Menschen, hört ihnen zu und berichtet dabei mit seinem typischen Gespür für prägnante Details von ihren sehr alltäglichen Sorgen und unerfüllten Träumen.
Sascha Rettig

Die wundersame Welt der Waschkraft, Dokumentarfilm, Deutschland 2008, Buch & Regie: Hans-Christian Schmid, mit Beata Cieśla, Andrzej Zieliński, Monika Ulatowska-Wełpa, Franz Josef Wiesemann u.a., OmU, 97 min, Kinostart: 7. Mai 2009 bei Piffl

Foto: Verleih


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