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Schlimmer als die beliebteste 1960er-SciFi-Fernsehserie "Star Trek", schlimmer als deren relative erzählerische Holprigkeit, die zeitbedingte Konventionalität der Charaktere (Männer als Macher), die niedlich-unbeholfenen Tricks mit den ständig gleichen Kulissen und die beschränkte Darstellungskraft vor allem des Hauptdarstellers William Shatner waren von jeher Trekkies.
Denn die wollten die Mängel ihrer Lieblingsserie nie wahrhaben, sondern übersahen gnädig deren Spießigkeit zugunsten der visionären Idee und verwiesen im Übrigen – zurecht – auf die Weiterentwicklungen der "Original Series", die allesamt moderner, interessanter und schlauer daherkommen. Doch Trekkies können noch mehr verzeihen: Auch sämtliche zehn mehr oder weniger lahmen Kinoadaptionen schauten sie mit Begeisterung. Dass jetzt mit dem Prequel-Film "Star Trek" das erste Mal eine zwar typische, doch erstaunlich gelungene, moderne, extrem unterhaltsame und sogar ab und an humorvolle Kinoversion von "Raumschiff Enterprise" in die Kinos kommt, müsste sie doch erst recht entzücken.
J.J. Abrams' "Star Trek" konzentriert sich auf die schwierige Annäherung und die Wurzeln der beiden Hauptpersonen James T. Kirk, damals also ein wilder junger Mann mit Anpassungsproblemen und einer schicksalsschweren Kindheit, und Spock, den Halb-Vulkanier, dessen menschliche Seite ihn zum Außenseiter in der latent rassistischen Vulkanierwelt macht. Auch für die Crewmitglieder Scotty, Pille, Chekov und Mr. Zulu haben die Drehbuchautoren sich reizende Hintergründe ausgedacht, und dass Lieutenant Uhura, deren Filmkuss mit Kirk in den 1960ern die Bildschirmpremiere einer gemischtrassigen Lippenannäherung darstellte, als junges Sternenflottending ausgerechnet mit Spock glücklich war, ist eine kleine süße Anspielung für Trekkies. Sie gibt der Geschichte, die gewohnt elegant-unlogisch in einer möglichen Parallelwelt spielt, die altmodische Würze, die auch das Original atmete: Nicht, dass man erwarten könnte, hier würden Frauen vielleicht doch mal aus ihrer Deko-Caritas-Funktion herauskommen – so weit geht auch der neue Film nicht. Aber in allem anderen, im Dramaturgischen, in Tricks und Erzählstruktur, geht er weiter als jeder "Star Trek"-Film zuvor: Er ist tatsächlich unterhaltsam, nett, technisch ausgefuchst und durchaus schlau ausgedacht, obwohl der böse Gegenspieler und Möchtegern-Universum-Vernichter, ein stinkiger Romulaner, dessen Welt zerstört wurde, auf Dauer trotz Gesichtstattoos ein wenig flau bleibt.
Die Trekkies werden sich freuen, dass Leonard Nimoy als gefühlt 1.000 Jahre alter Spock hin und wieder aus irgendeiner anderen Zukunft hineinguckt und mitmischt, und der Rest amüsiert sich einfach, wie bei anspruchslosem Science Fiction üblich. Denn die Zeiten, in denen man Star Trek (und vor allem die Nachfolgeserie "Deep Space Nine") als Allegorie auf aktuelle politische Entwicklungen deuten konnte, die sind schließlich schon lange vorbei.
Jenni Zylka
Star Trek, USA 2009, Regie: J.J. Abrams, Buch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, mit Chris Pine, Zachary Quinto, Simon Pegg, Karl Urban, John Cho, Zoe Saldana, Eric Bana u.a., 127 min, Kinostart: 7. Mai 2009 bei Paramount
Foto: Verleih
Website zum Film (englisch)
Website zum Film (deutsch)
Infos zum Film in der Internet Movie Database
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