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Ghosted

Zwischen den Welten

Kinostart: 30.4.2009 | Christian Horn | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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In der Regel begegnen uns Geister im Kino in einschlägigen Mystery- und Gruselfilmen. Insbesondere das asiatische Kino hat das Motiv in den letzten Jahren mit Filmen wie "The Eye" (2002) oder "Ringu" (1998) zu neuen Blüten getrieben. Nun greift die deutsche Regisseurin Monika Treut das Thema auf und verbindet es in ihrem Film "Ghosted" mit westlichen Motiven. Dabei hat sie keinen Gruselfilm im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine subtile und genau beobachtete Charakterstudie entworfen, eine Parabel über den Verlust eines geliebten Menschen und – gleichsam nebenbei, auf der Metaebene – einen Film über das Kino.

Die Hamburger Videokünstlerin Sophie (Inga Busch) verliebt sich in die taiwanesische Schönheit Ai-Ling (Huan-Ru Ke). Die beiden leben eine zeitlang in Hamburg zusammen, bis Ai-Ling unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt. Sophie, die den Verlust nur langsam verkraftet, reist nach Taipeh und präsentiert auf einer Ausstellung Fotos und Videoaufnahmen ihrer verstorbenen Freundin. Dort trifft sie auf eine Journalistin, die mehr über Ai-Lings Tod erfahren möchte und zunehmend als eine Wiedergängerin der Verstorbenen erscheint ...

Die deutsch-taiwanesische Koproduktion "Ghosted" ist in mehrfacher Hinsicht ein Grenzgänger zwischen fernöstlicher und westlicher Kultur: Der Film wechselt im Rahmen einer pointiert arrangierten, sich stetig kommentierenden Rückblenden-Struktur zwischen den beiden Handlungsorten Taipeh und Hamburg, die Ästhetik orientiert sich einerseits am europäischen Autorenfilm, andererseits an asiatischen Filmen, und Treut verbindet das europäische Doppelgängermotiv aus der Romantik mit Geistermythen aus Asien. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sind dabei fließend. Ohne daraus einen großen Sensationseffekt zu machen, lässt Treut beides immer wieder ineinander fallen. Die Video-Aufnahmen der verstorbenen Ai-Ling sind in gewisser Weise Erinnerungsbilder Sophies, visuelle Manifestationen der Vergangenheit. Und so können auch die flüchtigen Geisterbilder gelesen werden: als Erinnerungen.

Durch das doppelbödige Spiel mit den DV-Aufnahmen und Fotografien ist "Ghosted" nicht nur ein Film über Trennungsschmerz, Erinnern und Vergessen, sondern auch ein Film über sich selbst. Monika Treut hat mit einfachen Mitteln ein filmisches Rätsel entworfen, das in mehrfacher Hinsicht einen Sinn ergibt und stetig auf sich selbst Bezug nimmt. Es liegt bei den Zuschauern/innen, sich ein Bild zu machen. Monika Treut lässt dafür genügend Freiraum.
Christian Horn

Ghosted, Deutschland, Taiwan 2009, Regie: Monika Treut, Buch: Astrid Ströher, Monika Treut, mit Inga Busch, Huan-Ru Ke, Ting-Ting Hu, Jana Schulz, Marek Harloff u.a., OmU, 89 min, Kinostart: 30. April 2009 bei Salzgeber

Foto: Verleih


www.ghosted-film.de
Website zum Film (deutsch) 
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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