Unbeugsam – Defiance

Partisanenromantik

Kinostart: 23.4.2009 | Ernst Kramer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Weißrussland 1941. Die deutsche Wehrmacht rückt durch Polen nach Russland vor, Partisanen und Juden werden gejagt und getötet. Nachdem ihre Eltern ermordet worden sind, fliehen die Brüder der jüdischen Bielski-Familie, Tuvia, Zus und Asael, in die Wälder. Im Gegensatz zu den Nazis kennen sie sich in dem unwegsamen Gelände aus und kämpfen fortan gegen die SS und einheimische Kollaborateure. Bald treffen die Brüder auf weitere jüdische Flüchtlinge. Tuvia (Daniel Craig) beschließt ihnen zu helfen und baut im Wald ein Camp auf, während sein Bruder Zus (Liev Schreiber) den bewaffneten Widerstand für den richtigen Weg hält. Immer mehr Menschen schließen sich Tuvias Gruppe an, bald sind es über Tausend. Schließlich trifft die Gemeinschaft auf russische Partisanen, die sich ebenfalls im Wald verschanzt haben. Deren krasser Antisemitismus erschwert den Kampf gegen den gemeinsamen Feind auf traurige Weise.

Es gab sie wirklich, die Bielski-Brüder. Drei von ihnen überlebten den Krieg und emigrierten in die USA. Eine fast schon unglaublich anmutende Geschichte, denn mit ihrer Hilfe überlebten über 1.200 jüdische Menschen in den weißrussischen Wäldern den Holocaust.
Leider kann Regisseur Edvard Zwick ("Der letzte Samurai") nicht aus seiner Haut und übte sich für "Unbeugsam - Defiance" in seinem bekannten, sehr oberflächlichen Stil. Den Film als "typisch Hollywood" zu bezeichnen, würde die vielen relevanten Filme, die in der Vergangenheit aus Hollywood gekommen sind, diskreditieren. Die ähnlichste Bearbeitung eines Holocaust-Stoffes hat ohnehin ein Deutscher, nämlich Josef Vilsmaier mit "Der letzte Zug" abgeliefert. In beiden Filme gleicht sich der Versuch, die Menschen in ihrem Leid so dekorativ wie möglich darzustellen. So tragen die Bielskis schicke Used-Look-Lederjacken und der Wald wird mit seinen gemütlichen Braun- und Grüntönen zu einer Art Romantik-Hotel. Edle Schärfe/Unschärfeverlagerungen und Zeitlupen gereichen jeder besseren Werbeproduktion zur Ehre. Ja, das ist Partisanenromantik pur. Natürlich kann und soll ein Film die Wirklichkeit stilisieren und interpretieren, aber warum hier in einer so trivialen, unverbindlichen Art und Weise?

So verhindert die unselige äußere Form, dass die im Stoff enthaltenen Themen vertieft oder nahe gebracht werden können: etwa das Selbstverständnis des jüdischen Volkes, das moralische Dilemma des bewaffneten Widerstands und der Selbstjustiz, der eingefleischte Antisemitismus in Polen und Russland oder auch die traditionelle Feindschaft der beiden Länder, die mit der Zwangseingliederung Polens in den Ostblock endete. Stattdessen setzt Zwick einen schönen, vergoldeten Rahmen um das Geschehen. Er deklariert es zum netten Abenteuerstoff. Und damit ist das alles schön weit weg – viel zu weit weg.
Ernst Kramer

(Defiance) USA 2008, Regie: Edward Zwick, Buch: Clayton Frohman, Edward Zwick nach dem Roman "Defiance: The Bielski Partisans" von Nechama Tec, mit Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell, Alexa Davalos, Allan Corduner, Mark Feuerstein u.a., 131 min, Kinostart: 23. April 2009 bei Constantin

Foto: Verleih


www.defiancemovie.com
Website zum Film (englisch)
www.defiance.film.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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