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Ingrid lebt allein in einer vom Krieg und den Jahren danach gezeichneten Hinterhofwohnung im Berliner Prenzlauer Berg. Der Streit mit der Hauswartsfrau wie der onanierende Nachbar in Sichtweite gehören dazu, misstrauische Blicke folgen der jungen Frau mit den hohen Absätzen, die so laut Musik hört, dass die spitzelnden Nachbarn ihr eine Vorladung bei der Volkspolizei servieren. Diesen täglichen Morast würde Ingrid am liebsten für immer abstreifen, und sie schafft es auch, wenigstens für die Momente, in denen die Sängerin auf der Bühne steht. Doch das Publikum besteht eben nicht aus begeisterten Popfans, es ist die Keks und Clubcola konsumierende, später dann saufende, arbeitende Masse, der Ingrid mit ihrer Band die Freizeit versüßt. Manchmal habe sie, gesteht Ingrid einer alten Freundin aus dem Kombinat, mit der sie zusammen die Schichten schob, richtig Angst vor den Menschen dort draußen. Dann nehme sie einen Schluck, "dit macht locker, wie die Pille." Und die beiden Frauen lächeln.
Wolfgang Kohlhaase hat mit "Solo Sunny" Dialoge geschrieben und Situationen entworfen, die so treffend und typisch sind, als dass sie gerade eben passiert sein könnten - wie in allen seinen Filmscripts von "Berlin - Ecke Schönhauser" bis zu "Sommer vorm Balkon". Problembehaftete, schwere Themen wie Alkoholismus, Familienplanung oder etwa der Wohnungsbau in der DDR werden am Rande gestreift und dennoch offen vor Augen geführt, mit einer eleganten Leichtigkeit, die jede Penetranz des moralisierenden Zeigenwollens, jede Anbiederung an die dogmatischen Geschmacksvorgaben der Altvorderen, der Gralshüter über Zucht und Ordnung wie etwa der Kader und Kommandeure im Ministerium für Volksbildung, zu umgehen weiß.
Foto: Verleih
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