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35 Rum

Hier bleiben, losgehen, ankommen

Kinostart: 5.3.2009 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Lionel und Joséphine leben in der Vorstadt von Paris. Lionel arbeitet als Zugführer, Joséphine studiert Anthropologie. Ihre gemeinsame Zeit neigt sich dem Ende zu. Joséphine ist erwachsen geworden und wird bald ganz eigene Wege gehen. Lionel, der seine Tochter allein aufgezogen hat, gewöhnt sich allmählich an den Gedanken, sie loszulassen. Doch wenn Joséphine ihren Vater ansieht, dann scheint sie sich zu fragen, ob es in ihrem Leben jemals wieder eine solche Sicherheit geben wird.

Es ist eine Zeit des Übergangs und der sich neu sortierenden Bindungen, eine Zeit voller schmerzlicher Liebe, voller Abschiede und Anfänge – und Claire Denis fängt in "35 Rum" die Nuancen dieser Zeit mit einer Zärtlichkeit und Vorsicht ein, dass einem ihre Bilder mitunter wie aus zartem Glas erscheinen, zerbrechlich, gefährdet und flüchtig. Kamerafrau Agnès Godard stellt sich den Blicken der wortkargen Figuren und schaut forschend in ihre Gesichter – so lädt sich die Atmosphäre mit den Gefühlen auf, die in ihnen zu sehen sind: Nachbarin Gabrielle beispielsweise blickt sehnsüchtig auf Lionel, mit dem sie früher mal ein Verhältnis hatte. Und Noé, der junge Mann, der allein mit seiner alten Katze in der Dachgeschosswohnung lebt, würde gerne aus seiner Freundschaft mit Joséphine etwas Neues entstehen lassen. Lionels Augen dagegen schweifen immer wieder in die Ferne und imaginieren seine vor langer Zeit verlassene karibische Heimat, während Joséphine das Deutschland ihrer verstorbenen weißen Mutter zu sehen wünscht.

"35 Rum" handelt auch von Hautfarben in unterschiedlichen Schattierungen, von Migration und Integration, von Heimweh und vom ewigen Fremdbleiben und von den Wurzeln, die einen festhalten und nähren. Dabei vermeidet Denis sorgfältig das Klischee vom von Armut und Kriminalität bestimmten Migrantenleben in den Pariser Banlieues und siedelt ihre Geschichte stattdessen in einer wirtschaftlich und ideell gefestigten Gemeinschaft an. Hinter den wohlfeilen Filmkulissen, die dysfunktionale Familien in ruinösen Siedlungen zeigen, holt sie Menschen hervor, die um ihren Platz in der Gesellschaft nicht mehr kämpfen müssen. Sie zeigt aber auch, dass der Platz, den die Gesellschaft diesen Menschen zugedacht hat, am Rand liegt. Sie zeigt, dass die Fragen nach Identität und Zugehörigkeit sich dort auf andere Weise stellen und dass die Antworten darauf komplexer sind. Und nicht zuletzt nutzt Denis diese Geschichte aus dem ganz normalen Leben, diese alltägliche Geschichte eines Umbruchs, um zu zeigen, dass man den Dingen des Herzens nicht mit Worten auf den Grund gehen kann.
Alexandra Seitz

(35 rhums) Frankreich, Deutschland 2008, Regie: Claire Denis, Buch: Claire Denis, Jean-Pol Fargeau, mit Alex Descas, Mati Diop, Grégoire Colin, Nicole Dogué, Julieth Mars-Toussaont, Jean-Christophe Folly, Ingrid Caven, OmU, 105 min, Kinostart: 5. März 2009 bei Real Fiction

Foto: Verleih


http://35rhums-lefilm.com
Website zum Film (französisch)
http://35-rum.realfictionfilme.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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www.kinofenster.de
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