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Clint Eastwood: der coole alte Mann

78 Jahre und kein Gramm Bauchspeck

5.3.2009 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken


Eastwood, exakt 78 Jahre nun, ist eher unbemerkt zu einem der erfolgreichsten und höchst dekoriertesten Regisseure aller Zeiten aufgestiegen. Und das neben einer sogar noch renommierteren Karriere als Schauspieler. Die Macher des Filmfestivals in Cannes verliehen ihm eine Goldene Palme für sein Lebenswerk. Ihm gelinge wie keinem anderen die "Synthese des klassischen und des modernen amerikanischen Kinos". Eastwood ist längst eine Hollywood-Ikone.

Dabei begann seine Karriere in Europa. Der italienische Regisseur Sergio Leone besetzte Eastwood in seiner legendären "Dollar-Trilogie" in den Jahren 1964 bis 1966, die prägend für den Italo-Western wurde. Eastwood gab, ungerührt und weitgehend mimikfrei, den "Fremden ohne Namen". Diese Zuschreibung sollte er sein Leben lang nicht mehr loswerden. Auch die Hauptrolle in "Dirty Harry" (1971), dem von ihm produzierten Cop-Reißer, mit dem er schließlich auch in seiner Heimat den Durchbruch schaffte, war eine Neuauflage des einsamen Wolfes, den Eastwood seitdem immer wieder in allen Schattierungen geben durfte. Oft wechselte Eastwood nur die Verkleidung, tauschte das Pferd mit dem Auto und die Prärie mit dem Großstadtdschungel. Regisseur Leone sagte einmal über ihn: "Ich liebe Clint Eastwood, weil er nur zwei verschiedene Gesichtsausdrücke hat: einen mit und einen ohne Hut."

Ein verlässlicher Held

Den Hut in Hollywood setzte er sich früh auf. Aus dem Schauspieler Eastwood wurde zusätzlich ein Produzent und Regisseur, weil er schlau genug war, die Machtlosigkeit des reinen Darstellertums zu durchschauen. Noch schlauer ist seine Maxime beim Filmemachen: Eastwood arbeitet vor allem effektiv und preiswert. Das überzeugt die Studio-Bosse, die das Geld zur Verfügung stellen. Er ist berühmt dafür, noch nie in seiner Laufbahn als Regisseur ein Budget überschritten zu haben. Oft beendet Eastwood seine Drehs weit vor dem Zeitplan, in manchem Jahr stellt er gleich mehrere Filme fertig.

Deshalb ist Eastwood nicht nur ein knorriger Schauspieler, sondern auch als Regisseur ein Rückgriff auf das klassische Hollywood, als unprätentiöse Handwerker ohne allzu großen künstlerischen Anspruch solides Unterhaltungskino produzierten. In dieser Tradition verschließt sich Eastwood weitgehend allen filmischen Modetrends: Seine Kamera führt meist unaufdringlich, fast konservativ durch die Handlung, die Schnittfolge ist gemächlich, Spezialeffekte werden nur sparsam eingesetzt, die Actionszenen wirken wie mit der Handbremse gedreht.

Film-Handwerker

Manche von Eastwoods Filmen mögen im Vergleich mit den hektisch geschnittenen Bilderfluten der jüngeren Konkurrenz wie schaumgebremst wirken, aber dafür ist er in allen Genres zu Hause: Ob Western-Epen wie "Pale Rider" (1985) oder "Erbarmungslos" (1992), eine Musiker-Biografie wie "Bird" (1988), ein Action-Thriller wie "The Rookie" (1990), ein Boxer-Film wie "Million Dollar Baby" (2004), eine Astronauten-Komödie wie "Space Cowboys" (2000) oder ein Melodram wie "Mystic River" (2003), alles gelingt ihm gleichermaßen souverän. Dabei schafft es Eastwood außerdem, seine auf den ersten Blick als Unterhaltung funktionierenden Filme immer wieder mit gesellschaftlich relevanten Themen auszustatten: Es ging um Sterbehilfe in "Million Dollar Baby", um Drogen in "Bird" oder Kindesmissbrauch in "Mystic River". Dabei riskiert der bekennende Republikaner immer wieder Kritik von konservativer Seite.

Die Welt verbessern und dabei glänzend unterhalten werden

Diese Fertigkeit, zu Hause zu sein in allen Genres, demonstriert Eastwood bis heute: Mit "Gran Torino" und "Der fremde Sohn" sind momentan gleich zwei von ihm verantwortete Filme im Kino zu sehen. Beide, so unterschiedlich das Rassismus-Drama und die in den zwanziger Jahren spielende Emanzipationsgeschichte auch sind, vereint eine Eigenschaft: Sie sind überdurchschnittliches Erzählkino für das große Publikum. Ein Talent, das Eastwood auch im fortgeschrittenen Alter offensichtlich nicht verloren hat: "Gran Torino" hat an den amerikanischen Kinokassen inflationsbereinigt mehr umgesetzt als jede andere Regiearbeit in der langen Karriere von Eastwood zuvor, und die kann immerhin solche kommerziellen Erfolge wie "Erbarmungslos" oder "Million Dollar Baby" aufweisen.

Die Kollegen in Hollywood haben ihn sowieso schon heilig gesprochen. Hollywood weiß, was es an seinem Altstar hat. Unzählige Schauspieler/innen und Techniker, darunter Tim Robbins, Hilary Swank, Morgan Freeman, Gene Hackman oder Sean Penn, haben dank seiner Regie oder Produktion Auszeichnungen gewonnen. Und die neue Goldene Palme aus Cannes kommt aufs Kaminsims neben die fünf Oscars, die Eastwood persönlich bekommen hat, jeweils zwei für "Bester Film" und "Beste Regie" und außerdem einen für sein Lebenswerk.

Thomas Winkler, 43, liebte schon als Kind Nudeln, Spaghetti-Western und natürlich auch Clint Eastwood.

Fotos: "Gran Torino", "Million Dollar Baby" / ©Warner Brothers



www.imdb.com
Mehr über den Regisseur und seine Filme auf den Seiten der Internet Movie Database




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