Effi Briest

Die Light-Version

Kinostart: 12.2.2009 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Verfilmungen deutscher Romane haben im Kino derzeit Hochkonjunktur. Nach den "Buddenbrooks" kommt nun ein weiteres kanonisches Werk der deutschen Literatur auf die Leinwand: "Effi Briest" von Theodor Fontane. Als Regisseurin wurde Hermine Huntgeburth ("Die weiße Massai") verpflichtet, deren Film sich nun mit vier anderen Adaptionen, darunter die von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahre 1974, messen lassen muss.

Effi (Julia Jentsch), fröhlich, unbeschwert und gerade siebzehn, wird wegen des Renommees an den zwanzig Jahre älteren, stocksteifen Politiker Baron von Instetten (Sebastian Koch) verheiratet. Bisher ist sie ungezwungen auf dem brandenburgischen Landgut ihrer Eltern aufgewachsen. Nun findet sie sich in einem unheimlichen Haus an der Ostsee wieder, wo sie von ihrem ungeliebten Gatten oft allein gelassen wird. Als eines Tages der schmucke Major Crampas (Mišel Maticevic) an den Ort versetzt wird, kommt wieder Leben in den verschlafenen Flecken und auch in die völlig verängstigte Effi. Eine Affäre zwischen beiden, bei der sie erstmals ihre Sexualität ausleben kann, ist so unausweichlich wie kurz. Jahre später erst wird diese entdeckt, Effi verstoßen und von ihrer Tochter entfremdet.
Julia Jentsch spielt die Effi absolut überzeugend als unkonventionellen Freigeist. Die Wahl anderer Darsteller/innen ist weniger gelungen: Sebastian Koch als Instetten sieht für seine Rolle viel zu gut aus und gibt ihr sogar freundliche Züge. Juliane Köhler als Mutter wirkt wie in ihr Kleid und die Dekoration hineingestellt und hat so gar nichts Dominantes. Und von den Zwängen der Zeit um 1900 in Preußen erfährt man auch wenig.

"Effi Briest" erzählt im Grunde von einem frühen – und scheiternden – Emanzipationsversuch einer modernen Frau. Huntgeburth geht es aber anscheinend eher um die Gefühle und Leidenschaften, die der Roman kaum beschreibt. Was der Leser sich nur denken soll, zeigt der Film umso expliziter (Sexszenen) und manchmal am Rande des Kitschs; besonders, wenn die zuckrige Musik einsetzt. Diese "Effi Briest" ist mehr eine "Effi Light", denn, anders als im Roman, überlebt sie alle Schicksalsschläge und geht am Ende aufrecht festen Schrittes über den Berliner Boulevard "Unter den Linden". Das kann man mögen oder einfach nur oberflächlich finden.
Ingrid Beerbaum

Effi Briest, Deutschland 2008, Regie: Hermine Huntgeburth, Buch: Volker Einrauch nach dem Roman von Theodor Fontane, mit Julia Jentsch, Sebastian Koch, Barbara Auer, Mišel Maticevic, Margarita Broich, Rüdiger Vogler, Juliane Köhler, Thomas Thieme, Mirko Lang, Sunnyi Melles, 118 min, Kinostart: 12. Februar 2009 bei Constantin

Foto: Verleih


www.effibriest.film.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de

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