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Stilles Chaos

Der Parkbank-Wächter

Kinostart: 29.1.2009 | Stefanie Zobl | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Pietros Frau stirbt im Urlaub an akutem Herzversagen. Der Medienmanager ist aber nicht bei ihr, als sie der Tod aus heiterem Himmel ereilt, denn er rettet zur selben Zeit am Strand eine andere Frau vor dem Ertrinken. Eine Welt bricht zusammen, allein die Gleichzeitigkeit der beiden so unterschiedlich ausgehenden Auf-Leben-und-Tod-Ereignisse haut Pietro völlig aus der Bahn. Nach den Ferien muss seine Tochter Claudia wieder in die Schule. Pietro, der weiteres Unglück abwenden und sein Kind davor bewahren möchte, richtet sich sein Leben auf einer Bank in einem kleinen Park gegenüber des Schulgebäudes ein. Dort sitzt er ab sofort jeden Tag und wartet auf das Unterrichtsende. Der Beruf und die Karriere rücken für das ehemalige "Arbeitstier" in den Hintergrund. Alle, die etwas von ihm wollen, kommen zu ihm: Seine unglücklich verliebte und schwangere Schwägerin sowie sein Bruder schütten ihm auf der Parkbank ihr Herz aus, Kollegen und selbst der Chef besuchen ihn dort, um geschäftliche, aber auch private Angelegenheiten zu besprechen. In der ganzen Nachbarschaft ist Pietro bald bekannt wie ein bunter Hund.

Sicherlich ist es legitim, große Menschheitsthemen wie Leben, Sterben, Trauer, Hoffnung und ihren ewigen Kreislauf in eine melancholische Komödie (oder ist es ein komisches Melodram?) zu packen. Aber wie schon in Gianni Morettis Film "Das Zimmer meines Sohnes", bei dem er auch die Regie führte (hier spielt er "nur" die Hauptrolle und hat am Drehbuch mitgewirkt), ist die Geschichte zu betulich und zu glatt umgesetzt, um die Tiefe und Ernsthaftigkeit des Themas glaubwürdig zu transportieren. Bis auf einen Jungen aus der Nachbarschaft mit Down Syndrom, dem er täglich im Park begegnet, hat Pietro eine schöne, heile Welt um sich mit all den attraktiven Frauen und wohlhabenden Männern. Sie alle sind, zumindest im Gegensatz zu Pietro, eher von "Luxusproblemen" geplagt. Das lenkt vom Eigentlichen ab: dem tiefen Schmerz und der existentiellen Krise nach dem finalen Verlust eines geliebten Menschen.

So ist die Fallhöhe zwischen Tragödie und Happy End nicht allzu groß und Pietro, der in seiner Not zum weisen Lebenshelfer und -ratgeber der anderen wird, findet zurück ins Leben. Nicht zuletzt wegen Claudia, die irgendwann genug von seiner übertriebenen Betüttelung hat und ihn von der Schule wegschickt. Kinder sind in solchen Dingen eben oft wirklichkeitsnaher als die Großen.
Stefanie Zobl

(Caos Calmo) Italien 2008, Regie: Antonello Grimaldi, Buch: Nanni Moretti, Laura Paolucci, Francesco Piccolo nach dem gleichnamigen Roman von Sandro Veronesi, mit Nanni Moretti, Valeria Golino, Isabella Ferrari, Alessandro Gassmann, Blu Yoshimi, Silvio Orlando, Hippolyte Girardot, Alba Rohrwacher, 112 min, Kinostart: 29. Januar 2009 bei Kool

Foto: Verleih


www.armosia.com
Website zum Film (italienisch)
www.stilleschaos.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de

Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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