Alles für meinen Vater

Mein Feind, mein Freund

Kinostart: 22.1.2009 | Kirsten Taylor | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Tarek fährt nach Tel Aviv, zum Carmel Markt. Er will dort weder Obst noch Gemüse kaufen, sondern sich in den engen Gassen in die Luft sprengen und möglichst viele Israelis mit in den Tod reißen. Der junge Palästinenser tut das alles für seinen Vater, der in seinem Heimatort als Kollaborateur geächtet ist. Ein "Märtyrer" in der Familie, davon ist Tarek überzeugt, wird die Ehre seines Vaters wieder herstellen. Zugleich soll seine Tat ein politischer Akt gegen die verhassten Israelis sein.

Doch es läuft nicht nach Plan: Weil ein Schalter defekt ist, zündet die Bombe nicht. In seiner Not wendet sich Tarek an den jüdischen Elektro-Händler Katz, der ihm, nicht ahnend, wofür der Schalter bestimmt ist, behilflich sein will, wegen des bevorstehenden Sabbats aber nicht sofort einen Ersatz besorgen kann. So bekommt Tarek zwei Tage Leben geschenkt, in denen er seine vermeintlichen Feinde kennen und schätzen lernt: Da ist der alte Katz und dessen Frau, die beide den Holocaust überlebt haben und ihren Sohn betrauern, der vor Jahren bei einer Armeeübung starb. Oder die hübsche Keren, die einen Kiosk betreibt. Sie hat ihre streng orthodoxe Familie verlassen und versucht nun ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Als ultra-orthodoxe Juden sie mit Gewalt in ihre Familie zurückbringen wollen, steht ihr Tarek zur Seite; zwischen dem Palästinenser und der Israelin bahnt sich schließlich eine leise Liebe an. Für Tarek eröffnet sich damit eine ungeahnte Zukunftsperspektive.
"Alles für meinen Vater" von Dror Zihavi, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt und für diesen Film in seine Heimat Israel zurückgekehrt ist, erzählt die Geschichte eines Selbstmordattentäters. Dabei erfährt man jedoch erstaunlich wenig über dessen Perspektive und über die Situation der Palästinenser in der West Bank oder gar in Gaza. Vielmehr entpuppt sich der Film als ein zärtliches Mini-Porträt der israelischen Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen die "kleinen Leute" in Tel Aviv, die ihr Leben jenseits der modernen Hochhausviertel leben.

Der Film wird von der Idee getragen, dass Tarek die Menschen hinter dem Feindbild entdeckt, für sie schließlich Zuneigung empfindet und dabei zu seinem eigenen liebenswerten Kern zurückfindet. Denn auch Tarek hatte mal andere Pläne: Er war auf dem besten Wege, Fußball-Profi zu werden, aber seine Karriere fand mit der israelischen Abschottung der West Bank ein bitteres Ende. In "Alles für meinen Vater" geht es nicht mehr nur um die Zuschreibungen Täter, Opfer und Feinde, sondern um die Menschen an sich, um ihr Leben, ihre Träume und ihre Hoffnungen. Ein simpler und berechtigter Ansatz, dem aber auch etwas Utopisches anhaftet: Es wäre doch so einfach, wenn die Menschen miteinander reden würden. Dass die Realität anders aussieht, zeigen die aktuellen Ereignisse in Gaza und nicht zuletzt auch der Film. Dabei ist er aber in aller Konsequenz weniger verstörend als "Paradise Now", der nicht zuletzt die ganze Unmenschlichkeit des Konflikts radikal vor Augen führt.
Kirsten Taylor

(Shabat Shalom Maradona) Israel, Deutschland 2008, Regie: Dror Zahavi, Buch: Ido Dror, Yonatan Dror, mit Shredy Jabarin, Hili Yalon, Shlomo Vishinsky, Rozina Kambus, Joni Arvid, Shadi Pahareldin, Oren Yadger, Dina Golan, 96 min, Kinostart: 22. Januar 2009 bei Kinowelt

Foto: Verleih



www.allesfuermeinenvater.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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