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"Was soll nur aus dir werden? Wer soll dich jemals heiraten?", so seufzt und klagt Ayşes Familie. Sie findet ihr Mädchen zu kompliziert, zu eigenmächtig, zu modern. Ayşe ist 17, Muslima und trainiert Kung Fu. Und so etwas ist tabu, denn Kämpfen passt nicht zur Rolle einer sittsamen türkischen Frau. Zwar wohnt Ayşes Familie lange genug in Kopenhagen, doch ihr Weltbild hat sich kaum der westlichen Lebensweise geöffnet. Familienehre, Tradition, bedingungsloser Respekt gegenüber Ranghöheren – Ayşes Vater befolgt brav die Regeln. Er hat es nur zum Gabelstaplerfahrer gebracht und will für seine drei Kinder ein besseres Leben. Sein ältester Sohn hat ihm den Wunsch erfüllt: Ali ist Arzt und möchte heiraten: Jasmin, eine Schöne aus gutem Hause. Viel hängt für Ayşes Familie davon ab: der soziale Aufstieg, ein besserer Job für den Vater, vielleicht sogar ein Ehemann für Ayşe. Damit Alis Hochzeit nichts im Wege steht, soll seine Schwester kooperieren und endgültig auf ihr Training verzichten. Kann sie das?
Ein eigener Lebensweg – aber wie?
Was in der Familie bis auf Ali keiner weiß: Kämpfen und Trainieren steht bei Ayşe längst an erster Stelle. Wo sie geht und steht probiert Ayşe ihre Tritt- und Schlagtechnik, kickt sie sich an ihre körperlichen Grenzen heran. Natürlich müsste Ayşe mehr für die Schule büffeln, um später auch studieren zu können. Nur wie soll das gehen? Ayşe ist viel zu unruhig, in dem zierlichen Mädchen steckt eine viel zu große Wut. Woher ihre Wut kommt, zeigt die dänische Regisseurin Natasha Arthy ("Alt, neu, geliehen & blau") in sehr realistischen und einfühlsamen Bildern: Das kühle Kopenhagen ist eine Stadt ohne Charme mit trinkfreudigen Jugendlichen, die wenig vom Leben erwarten. Mehmet, ein Bruder Jasmins, hat eine Gang und inszeniert sich selbstgefällig als Hüter überkommener Moralbegriffe, die er mit hippen Gangsta-Ritualen kreuzt. Ein unangenehmer Mensch. Keine Frage, auch seine Welt hält für Ayşe keine Verlockungen bereit. Ihr Zuhause hingegen mag bisweilen ein wärmender Kokon sein, doch von den Nöten der Heranwachsenden ahnen weder Mutter noch Vater etwas. Gefühle sind in der Familie schließlich kein Gesprächsthema. Ayşe weiß: Sie muss bald hier raus und das möglichst, ohne in die Falle einer arrangierten Ehe zu tappen. Sie will ihren eigenen Weg finden, doch für die ersten Schritte fehlt der Mut.
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ebenbürtigen Gegnern. Aber es gehört noch einiges mehr dazu: ein innerer Reifeprozess, an dessen Schwelle Ayşe gerade steht. Eine traditionelle Kung-Fu-Schule könnte sie weiterbringen, doch die hat ihre eigenen Regeln: vier mal wöchentlich Unterricht und gemeinsames Training mit Männern. Nie würde Ayşes Vater dies erlauben. Ayşe macht trotzdem weiter – heimlich. Dass sie beim Training auf den rothaarigen Emil trifft und sich die beiden verlieben, ist eines. Aber auch Omar, ein Freund Mehmets, verkehrt dort. Strikt verweigert er den Kampf gegen das Mädchen und versucht alles, um Ayşes Training zu verhindern.
Der Film "handelt davon, wie man sich selbst findet, ohne die Verbindung zu geliebten Menschen kappen zu müssen", erklärt Regisseurin Natasha Arthy in einem Interview. "Es ist wichtig, dass man spürt, was richtig für einen ist, aber man muss sich auch im Klaren sein, dass eigene Entscheidungen andere beeinflussen werden. Und: dass man selbst dafür verantwortlich ist." Mit "Fightgirl Ayşe" zeigt Arthy nicht nur die typischen Schwierigkeiten, die sich Kindern aus Immigrantenfamilien in den Weg stellen, sondern auch, wie stark und selbstbewusst sie eigentlich sind. Für Ayşe hat sie eine bemerkenswerte Darstellerin gefunden: die 22-jährige Semra Turan. Sie trainiert seit Jahren Kung Fu, die Schauspielerei hingegen war für sie Neuland. Davon merkt man allerdings herzlich wenig, denn Semra Turan integriert eigene Erfahrungen in ihr Spiel. Atemberaubend sind die vielen Kampfszenen, die Martial-Arts-Fans begeistern werden, hatte doch kein Geringerer als Kung-Fu-Meister Xian Gao die Choreografie im Griff. Er war zuletzt in Ang Lees "Tiger & Dragon" (2000) zu bewundern. In "Fightgirl Ayşe" mimt er als Kung-Fu-Lehrer eine schweigsame Autorität. Er gewichtet den Menschen und nicht sein Glaubensbekenntnis. Spannend, wie der Film mit den vielschichtigen Konflikten jongliert und immer wieder mutig den Nerv derer trifft, die auf der Suche nach einem eigenen Weg sind.
(Fighter) Dänemark 2007, Buch & Regie: Natasha Arthy, mit Semra Turan, Nima Nabipour, Cyron Bjørn Melville, Behruz Banissi, Molly Blixt Egelind, Xian Gao, Sadi Tekelioglu, Denize Karabuda, 97 min, Kinostart: 1. Januar 2009 bei MaXXimum
Fotos: Verleih
Cristina Moles Kaupp ist Filmjournalistin in Berlin.
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