Caótica Ana

Die ewige Frau

Kinostart: 27.11.2008 | Stefanie Zobl | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Eigentlich ist Ana gar nicht chaotisch. Die 21-Jährige wirkt ganz im Gegenteil sehr klar und aufgeräumt. Sie bewohnt mit ihrem deutschen Aussteiger-Vater eine Höhle auf Ibiza, die sie innen komplett in satten Farben bemalt hat. Ihr künstlerisches Talent wird von der Kunst-Mäzenin Justine entdeckt, die Ana zu sich nach Madrid holt. Dort leben viele junge Künstler/innen in einem großen Haus zusammen und können, gesponsert von der wohlhabenden Justine, ihre Kreativität uneingeschränkt ausleben. Häufig finden Performances und Ausstellungen statt, und auch das Liebesleben der jungen Menschen kommt nicht zu kurz.

In diesem umtriebigen und freizügigen Umfeld kommt eine weitere, verborgene Qualität Anas zum Vorschein, die sie schon längere Zeit undeutlich gespürt hat: Sie ist ein Medium. Ihre Seele hat bereits eine lange Reise hinter sich und den Kontakt zu den Personen in der Vergangenheit lässt sie über einen Hypnotiseur herstellen. Die Erkenntnis aus diesen so genannten Rückführungen ist äußerst schmerzhaft: Alle jungen Frauen, die Anas Seele in vorausgegangen Leben durchwandert hat, starben, obwohl sie stark und kämpferisch waren, im Alter von 22 Jahren unter qualvollen Umständen und leidenschaftlich liebend. Davon abgesehen, dass sich, von Justine sehr gewünscht und gefördert, diese Aktivierung des Unterbewusstseins positiv auf Anas Bilder auswirkt, versucht diese zunehmend obsessiv dahinter zu kommen, welche Bedeutung und Konsequenzen die Langzeit-Erfahrung ihrer Seele für ihr Leben hat. Dann verschwindet Anas große Liebe Said, ein Maler, der vom nordafrikanischen Nomaden-Volk der Amazigh abstammt, nach einer gemeinsamen Hypnose-Session plötzlich spurlos.
Ganz einfach ist das nicht nachzuerzählen, was sich in Julio Medems Film alles ereignet. Der Film setzt esoterische Praxis und New Age ins Bild. Dass er zusätzlich auch über eine sehr platte Symbolik verfügt, lässt sich gleich nach der ersten Szene absehen: Dort scheißt eine Taube zuerst auf einen Falken, der sie anschließend jagt und erlegt. Die beiden Vögel symbolisieren die sich im Film beständig wiederholende Schwarz-Weiß-Gleichung: Taube = Frau = Leben = Weisheit, Falke = Mann = Zerstörung = Krieg.

Nichtsdestotrotz ist der Film in den ersten zwei Dritteln durchaus sehenswert: Ana hat ein durch und durch liebenswertes, einnehmendes Wesen und es entschlüsselt sich erst nach und nach, was bei dieser doch sehr eigenwilligen Geschichte eigentlich Sache ist. Zudem ist das jugendlich-lebendige Künstlerumfeld, in dem der Film größtenteils spielt, interessant und attraktiv. Doch das Ende, wenn Ana zum indianischen Ursprung ihrer Seele in die USA reist und dort auf den Verteidigungsminister trifft, ist an Undifferenziertheit und Einfältigkeit fast nicht zu überbieten. Da hilft es auch nichts, dass der Film nebenbei auch die wichtige Rolle von Geschichte und Überlieferung betont und der Regisseur ganz offensichtlich das wahre starke Geschlecht – die Frauen – vergöttert.
Stefanie Zobl

Caótica Ana, Spanien 2007, Buch & Regie: Julio Medem, mit Manuela Vellés, Charlotte Rampling, Bebe, Matthias Habich, Nicolas Cazalé, Asier Newman, Raúl Peña, Gerrit Graham, ab 16, Kinostart: 27. November 2008 bei Prokino

Foto: Verleih


http://www.clubcultura.com
Website zum Film (englisch)
www.caotica-ana.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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