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Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Ridley Scott seinen Beitrag zum expandierenden Genre des "Post-9/11"-Films leisten würde. "Black Hawk Down" – Scotts Anti-Terror-Porno, so genussvoll wie brillant in Gewalt und Nahkampf-Action schwelgend, dass er selbst friedfertige Gemüter in unterschwellige Erregung versetzte – ist eine Art Empfehlungsschreiben für Scotts neuen Film "Der Mann, der niemals lebte", der auf einem Roman des Washington-Post-Journalisten David Ignatius basiert. Die Scott-Brüder Ridley und Tony haben auf ihre alten Tage einem hoffnungslos technikverliebten Kino Vorschub geleistet, dessen Pulsschlag von der hektischen Montage ihrer Bilder getaktet wird. "Der Mann, der niemals lebte" vereint alle Ingredienzen Scotts früherer Exzesse, auch wenn seiner Inszenierung diesmal wenigstens eine innere Logik zugrunde liegt.
"Der Mann, der niemals lebte" taucht in die undurchsichtige Welt der internationalen Geheimdienste und ihrer Verstrickungen im politischen Krisenherd Mittlerer Osten ein. Leonardo DiCaprio kämpft darin an vorderster Front gegen fundamentalistische Terrorzellen, kulturelle Differenzen und die heimische Bürokratie, während sein Vorgesetzter Russell Crowe im fernen Virginia zwischen Frühstücksgeschirr und Schulsport die Geschicke seines Landes lenkt. Das ist die zynische Quintessenz Scotts: Die in den USA das Sagen haben, sind nicht nur geografisch, sondern auch mental weit weg von den realen Problemen der Welt. Crowe hängt permanent am Headset oder hinter den Überwachungsmonitoren im CIA-Hauptquartier, die Satellitenbilder aus dem Mittleren Osten gestochen scharf übermitteln. Doch die globalen Auswirkungen seiner Entscheidungen dringen nur noch als Nachrichtenmeldung zu ihm durch. Diese Konsequenzen sind für viele Unschuldige jedoch tödlich.
Im Film verwischt die Trennung zwischen bösen Arabern und guten Amerikanern. Deutlich wird das in der Beziehung zwischen Crowes zynischem Schreibtischtäter, DiCaprios abgekämpften Frontsoldaten, der von einem Hinterhalt in den nächsten gerät, und dem Chef des jordanischen Geheimdienstes (Mark Strong), hinter dessen distinguierten Umgangsformen sich ein abgebrühter Stratege verbirgt. Jeder hintergeht hier jeden. Es ist ein fieser, testosterongesteuerter Kleinkrieg, in dem Terrorbekämpfung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Und sieht man sich die verfahrene Situation im
Irak und in
Afghanistan an, scheint Scotts Film gar nicht so weit von der Realität entfernt.
Andreas Busche(Body of Lies) USA 2008, Regie: Ridley Scott, Buch: William Monahan nach dem Roman von David Ignatius, mit Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Golshifteh Farahani, Oscar Isaac, Simon McBurney, Alon Aboutboul, ab 16, Kinostart: 20. November 2008 bei Warner Bros.
Foto: Verleih
http://bodyoflies.warnerbros.comWebsite zum Film (englisch)
www.DerMannDerNiemalsLebte.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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