33 Szenen aus dem Leben

Das Ende der Kindheit

Kinostart: 13.11.2008 | Susanne Sitzler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Eigentlich ist Julia zu jung, um ihre Eltern zu verlieren. Oder vielleicht nicht zu jung, aber jedenfalls nicht bereit für die Aufgabe, die nun vor ihr liegt. Mitten in ihr freies, glückliches Künstlerinnen-Leben platzt die Nachricht von der Krankheit der Mutter. Für Julia wird das zur Bestandsprobe für ihr eigenes Leben. Ist sie stark genug, die Krise zu meistern? Hält die Beziehung zu ihrem Mann Piotrek diese Belastungsprobe durch?

Julia findet ihren eigenen Weg, die Dinge zu sehen. Mal scheint sie die Realität von sich zu weisen, in anderen Momenten ist sie plötzlich stark oder weint wie ein Kind. Sie will ihre Erfahrungen und die Krankheit der Mutter künstlerisch verarbeiten und scheitert damit. Die Biennale-Jury lehnt ihr Werk unerwartet ab. Die ganze Familie gerät aus dem Lot, weil die Mutter fehlt. Und der Vater verkraftet den Tod seiner Frau nicht, flüchtet sich in Alkohol und stirbt kurze Zeit später selbst.
"33 Szenen aus dem Leben" ist sicher kein leichter Film. Aber umso intensiver erleben wir mit Julia (Julia Jentsch) eine Lebensphase, die zur Prüfung wird. "Ich wünschte, ich könnte wieder ein Kind sein", sagt sie. Doch die Zeit, in der sie mit ihrer Familie glücklich im Sommer beim Abendessen auf dem Land zusammen war, ist vorbei.

Die polnische Regisseurin und Drehbuchautorin Malgoska Szumowska verarbeitete in dem Drama eigene Erfahrungen – ohne dass die Geschichte nun rein autobiografisch wäre. Doch was sie damals gefühlt haben muss, fließt in den Film ein. "Mir schien alles hinter Glas zu passieren", erzählt sie, "so als beträfe es jemand anderen und nicht mich."

Auch Julia blickt manchmal so abwesend in die Ferne, als schaue sie den anderen nur beim Leben zu. Die stillen Szenen gehören zu den starken Momenten des Films: Wenn Julia den Eltern nach dem letzten Besuch zum Abschied winkt. Und die ganz lauten Szenen, wenn nach der Beerdigung des Vaters sich alle ins Koma saufen, als wäre es die letzte Rettung. In die Köpfe der Figuren lässt der Film nicht immer blicken. Sie sagen nicht, was sie denken, man ahnt aber: Es geht eine Menge darin vor. Gerade Julia Jentsch zeigt nach "Die fetten Jahre sind vorbei" und "Sophie Scholl - Die letzten Tage" erneut, dass sie zu den besten deutschen Schauspielerinnen gehört. Beim diesjährigen Filmfestival in Locarno wurde der polnische Film mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.
Susanne Sitzler

(33 sceny z zycia) Deutschland, Polen 2008, Buch & Regie: Malgorzata Szumowska, mit Julia Jentsch, Peter Gantzler, Malgorzata Hajewska, Maciej Stuhr, Andrzej Hudziak, Iza Kuna, Rafal Mackowiak, Kinostart: 13. November 2008 bei Real Fiction

Foto: Verleih


www.33sceny.pl
Website zum Film (polnisch)
http://33-szenen.realfictionfilme.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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