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Ein heimeliges Gefühl ums Herz bekommt man nicht gerade beim Anblick
dieses Gebäudes: Düster und abweisend, umwabert von Nebelschwaden, ragt
es inmitten einer kargen Ödnis in die Höhe. Ganz das Gegenteil von
einem Idyll. Noch bizarrer sind allerdings seine Bewohner/innen: eine
erlesene Auswahl seltsamer Freaks mit ganz unterschiedlichen und dabei
sehr ausgeprägten "Dachschäden" – eine ganz besonders makabre Neigung
haben sie allerdings fast alle gemein ...
Schon allein wegen
seines Vorspanns lohnt sich dieser Film: In der detailverliebt
animierten Vorstellung des Filmteams zeigt sich das schier grenzenlose
kreative Potenzial des Regie-Tandems Jean-Pierre Jeunet (auch der
Schöpfer von "Amélie" und ihrer fabelhaften Welt) und Marc Caro. So
etwas hat man noch nicht gesehen. Und es geht furios weiter: In der
Anfangsszene versucht sich ein Mann in Todesangst vor seinem Messer-schwingenden Schlächter zu verstecken. Aber es hilft nichts: Er landet
im Kochtopf von Metzger Clapet, der damit die knurrenden Mägen der
Hausbewohner/innen füllt.
Die Lage ist schwierig, dort an diesem unbekannten Ort. Was mit der
Welt samt der Menschheit passiert ist, erfährt man nicht, aber die
Protagonisten/innen des Films müssen sich mit reichlich apokalyptischen
Zuständen herumschlagen. Es geht um alles oder nichts; jede/r von ihnen
hat eigene Überlebensstrategien entwickelt. In einer solchen Situation
kann man über jede Aufgabe froh sein und somit finden Clapets
Suchinserate nach einem Hausmeister regen Zuspruch. Was die Bewerber
nicht ahnen – sie sollen die nächste Mahlzeit für die Kannibalen
sein. Kompliziert wird es in dem Moment, als der Clown, Artist und
Meister der "singenden Säge", Louison, den ausgeschriebenen
Hausmeister-Posten annimmt. Denn Clapets Tochter Julie verliebt sich
unsterblich in den schrägen Vogel. Ein unerbittlicher Kampf auf Leben
und Tod beginnt.
Inhaltlich hat der Debüt-Spielfilm von Jeunet und Caro nicht wirklich viel zu bieten. Dafür ist ihr
durchgeknalltes, surreales Endzeit-Märchen ein Fest für die Sinne,
gespeist von ausladender Fantasie und Inspiration. Zudem verfügt es
über einen köstlichen, schwarzen Humor und ist – der Orientierung
halber sei das gesagt – trotz seiner ganz eigenen Filmsprache
stilistisch irgendwo im Dunstkreis des filmischen Kosmos von Terry
Gilliam ("
Brothers Grimm") anzusiedeln. Den beiden französischen Regisseuren hat ihre
Kannibalen- und Schlächtergeschichte offensichtlich einen Heidenspaß
bereit: Wie zwei böse, verspielte Kinder hetzen sie ihre
Protagonisten/innen aufeinander. Wer das grausame Spiel gewinnt, sei
hier allerdings nicht verraten. Denn der Film ist es allemal Wert,
gesehen zu werden.
Stefanie ZoblDelicatessen, Frankreich 1991, Regie: Marc Caro, Jean-Pierre Jeunet, Buch: Gilles Adrien, Marc Caro, Jean-Pierre Jeunet, mit Dominique Pinon, Marie-Laure Dougnac, Jean-Claude Dreyfus, Karin Viard, Ticky Holgado, Anne-Marie Pisani, Edith Ker, Howard Vernon, DF und OmU, Kinostart: 13. November 2008 bei Neue Visionen
Foto: Verleih
www.neuevisionen.deMehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
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