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Delicatessen (WA)

Leber oder Liebe?

Kinostart: 13.11.2008 | Stefanie Zobl | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Ein heimeliges Gefühl ums Herz bekommt man nicht gerade beim Anblick dieses Gebäudes: Düster und abweisend, umwabert von Nebelschwaden, ragt es inmitten einer kargen Ödnis in die Höhe. Ganz das Gegenteil von einem Idyll. Noch bizarrer sind allerdings seine Bewohner/innen: eine erlesene Auswahl seltsamer Freaks mit ganz unterschiedlichen und dabei sehr ausgeprägten "Dachschäden" – eine ganz besonders makabre Neigung haben sie allerdings fast alle gemein ...

Schon allein wegen seines Vorspanns lohnt sich dieser Film: In der detailverliebt animierten Vorstellung des Filmteams zeigt sich das schier grenzenlose kreative Potenzial des Regie-Tandems Jean-Pierre Jeunet (auch der Schöpfer von "Amélie" und ihrer fabelhaften Welt) und Marc Caro. So etwas hat man noch nicht gesehen. Und es geht furios weiter: In der Anfangsszene versucht sich ein Mann in Todesangst vor seinem Messer-schwingenden Schlächter zu verstecken. Aber es hilft nichts: Er landet im Kochtopf von Metzger Clapet, der damit die knurrenden Mägen der Hausbewohner/innen füllt.

Die Lage ist schwierig, dort an diesem unbekannten Ort. Was mit der Welt samt der Menschheit passiert ist, erfährt man nicht, aber die Protagonisten/innen des Films müssen sich mit reichlich apokalyptischen Zuständen herumschlagen. Es geht um alles oder nichts; jede/r von ihnen hat eigene Überlebensstrategien entwickelt. In einer solchen Situation kann man über jede Aufgabe froh sein und somit finden Clapets Suchinserate nach einem Hausmeister regen Zuspruch. Was die Bewerber nicht ahnen – sie sollen die nächste Mahlzeit für die Kannibalen sein. Kompliziert wird es in dem Moment, als der Clown, Artist und Meister der "singenden Säge", Louison, den ausgeschriebenen Hausmeister-Posten annimmt. Denn Clapets Tochter Julie verliebt sich unsterblich in den schrägen Vogel. Ein unerbittlicher Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Inhaltlich hat der Debüt-Spielfilm von Jeunet und Caro nicht wirklich viel zu bieten. Dafür ist ihr durchgeknalltes, surreales Endzeit-Märchen ein Fest für die Sinne, gespeist von ausladender Fantasie und Inspiration. Zudem verfügt es über einen köstlichen, schwarzen Humor und ist – der Orientierung halber sei das gesagt – trotz seiner ganz eigenen Filmsprache stilistisch irgendwo im Dunstkreis des filmischen Kosmos von Terry Gilliam ("Brothers Grimm") anzusiedeln. Den beiden französischen Regisseuren hat ihre Kannibalen- und Schlächtergeschichte offensichtlich einen Heidenspaß bereit: Wie zwei böse, verspielte Kinder hetzen sie ihre Protagonisten/innen aufeinander. Wer das grausame Spiel gewinnt, sei hier allerdings nicht verraten. Denn der Film ist es allemal Wert, gesehen zu werden.
Stefanie Zobl

Delicatessen, Frankreich 1991, Regie: Marc Caro, Jean-Pierre Jeunet, Buch: Gilles Adrien, Marc Caro, Jean-Pierre Jeunet, mit Dominique Pinon, Marie-Laure Dougnac, Jean-Claude Dreyfus, Karin Viard, Ticky Holgado, Anne-Marie Pisani, Edith Ker, Howard Vernon, DF und OmU, Kinostart: 13. November 2008 bei Neue Visionen

Foto: Verleih


www.neuevisionen.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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