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Die erste Fassung des Romans unter dem Titel "The Fire Man" schrieb Bradbury 1950 im Keller der Bibliothek der University of California in Los Angeles auf einer Münzschreibmaschine. Er steckte 10-Centstücke in die Schreibmaschine und schrieb gegen die ablaufende Zeit an. Insgesamt kostete ihn die erste Fassung 9,80 US-Dollar, schreibt Bradbury im Nachwort einer späteren Auflage. In seinem 1953 erschienen und 1966 von François Truffaut verfilmten Science-Fiction-Roman "Fahrenheit 451" zeigte Bradbury eine kontrollierte Gesellschaft, in der Bücher verboten sind. Der preisgekrönte Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore biedert sich im Titel an den Science Fiction an. Bradbury äußerte dazu im Interview: "Michael Moore ist ein dämlicher Drecksack."
Zu der Truffautschen Filmversion von "Fahrenheit 451" könnte man sagen: Achtung! Diese Wörter sind verboten! Derjenige, der sie geschrieben hat, könnte dafür verhaftet, vermutlich auch hingerichtet werden. Wer sie liest, wird von der Regierung beobachtet und verfolgt. Es bringt nichts, den Artikel zu lesen. Er wird auch zerstört. Verbrannt. Willkommen in einer Welt ohne Wörter. Ohne Bücher. Ohne Gedächtnis. Ohne Geschichte. Ohne Emotionen. Und ohne Probleme. So die Regierung will.
Bücherverbrennung Redux
Als Truffaut 1966 die Science-Fiction Buchvorlage des Autors Ray Bradbury verfilmte, war das Thema Bücherverbrennung – historisch gesehen – wesentlich präsenter als heutzutage (was nicht heißen soll, dass das Thema heute nicht immer noch gegenwärtig ist). 1953, knappe fünfzehn Jahre nach den Bücherverbrennungen, sah Bradbury in der zunehmenden Visualisierung des Kulturgutes eine reale Gefahr für den Fortbestand des geistigen, schriftlichen Eigentums. 13 Jahre später nahm Truffaut den Faden wieder auf und verfilmte die anti-utopische Vision Bradburys mit Oskar Werner als Guy Montag und Julie Christie in der Doppelrolle Clarisse und Linda Montag sowie Cyril Cusack als Kapitän in den Hauptrollen. Die Gefahr der Verdummung und Verrohung der Gesellschaft hatte sich keineswegs verbessert. Wer das geschriebene Wort kontrolliert, kann auch Geschichte manipulieren, und damit auch die Gesellschaft.
Schrift macht unglücklich
Die vier Protagonisten stellen die zwei Pole einer Gesellschaft dar in der Bücher als Quelle allen gesellschaftlichen Übels betrachtet und deshalb verbrannt werden. So genannte Feuermänner werden mit der Zerstörung aller Bücher beauftragt. In der verdrehten Welt von Fahrenheit 451 – umgerechnet ca. 232° Celsius, also die Temperatur, bei der Bücher am schnellsten verbrennen – zünden Feuermänner wie Montag und der Kapitän Brände, anstatt sie zu löschen. Clarisse und ihre Gefährten, die sich dem totalitären System widersetzen und trotzdem weiterhin Bücher lesen, nehmen billigend in Kauf, dass sie von den Feuermännern aufgespürt und verfolgt werden. Und, dass ihre Bücher verbrannt werden. Kein besonders wünschenswertes Schicksal, verbergen sich – wie Montag und der Kapitän in einer Schlüsselszene diskutieren – hinter den Buchrücken Menschen. Individuen. Ideen. Sogar Familienangehörige der abtrünnigen Bücherwürmer.
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