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Richtung Norden und dann immer geradeaus! Schlimmer
hätte es für den Postbeamten Philippe Abrams (Kad Merad) nicht laufen können,
denn seine Frau träumt eigentlich von einem Leben an der wohlig-warmen
Mittelmeerküste. Aber Philippe wird nach einem fehlgeschlagenen
Täuschungsmanöver im Rollstuhl, um als Gehbehinderter bevorzugt an einen der
beliebten Posten im Süden versetzt zu werden, in die Nähe des Ärmelkanals beordert.
Bergues – von Philippe anfangs "beurk", zu Deutsch "igitt", ausgesprochen – ist
ein kleines Städtchen in der Region Nord Pas de Calais, das für Franzosen
südlich von Paris angeblich so gut wie am Nordpol liegt. Entsprechend
widerwillig tritt Philippe die Reise eingemummelt im dicken Parka an; Ehefrau
Julie (Zoé Felix) bleibt lieber direkt in der heimatlichen Provence
wohnen.
Was
nun kommt, ist ein gagreiches Spiel aus Regionalstolz und Vorurteilen: Auf
Philippes heillos übertriebene Schreckensvisionen von furchtbarem Wetter,
schlechtem Essen und zurückgebliebenen Menschen folgt der komische Culture
Clash: Beim Herumwitzeln mit seinen mehr als freundlichen Postmitarbeitern ertränkt
Philippe alle Vorbehalte lustvoll in reichlich belgischen Pommes, Bier und dem ortsüblichen
Genever-Branntwein. Sogar der nordische Stinkekäse und die vielen "sch"-Laute
des eigentümlichen Dialekts der Sch'tis, wie die Bewohner/innen der Region bezeichnet
werden, gehen ihm nach ein paar Schlagabtauschen mit Briefträger Antoine (Dany
Boon) leicht über die Lippen. Hinderlich fürs Rundumwohlgefühl ist indes, dass Philippe
seiner Frau von einer regennassen Hölle erzählt und natürlich damit effektvoll
auf die Schnauze fällt.
Werbefilm für das Nord Pas de Calais, Romanze und eingängige
Ethno-Comedy in einem: "Willkommen bei den Sch'tis" hat es zum erfolgreichsten
Film gebracht, der jemals in Frankreichs Kinos gezeigt wurde, und ist vor allem
ein kulturelles Phänomen. Rund ein Drittel aller Franzosen haben den filmischen
Klamauk von Stand-up-Comedian Dany Boon mittlerweile gesehen und dessen
Heimatregion verzeichnet plötzlich Besucherrekorde. Obwohl "Willkommen bei den
Sch'tis" als simple und vorhersehbare Komödie sicherlich nicht der raffinierteste
Film ist, scheint er dennoch mit derbem Humor, ausgeprägtem Lokalpatriotismus
und Sprachwitzen rund um das Sch'ti den richtigen Ton für eine Art
Völkerversöhnung anzuschlagen. Allerdings funktioniert diese nur, indem manche
für dumm verkauft werden: Auf einfältige, hochnäsige Südfranzosen mit weltfremden
Ehefrauen hat wohl nun keiner mehr Lust, und auch den Zuschauenden könnten durchaus
cleverere Witze zugetraut werden. Inwiefern ein deutsches Publikum überhaupt
über die regionalen Späßchen Frankreichs lachen kann, ist ohnehin ungewiss. Erinnert
man sich jedoch an den Erfolg der Serie "Ein Bayer auf Rügen", dann scheint wiederum einiges möglich – zumindest ein deutsches Remake.
Marguerite Seidel
(Bienvenue chez les Ch'tis) Frankreich 2008, Regie: Dany Boon, Buch: Dany Boon, Alexandre Charlot, Franck Magnier, mit Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin, Philippe Duquesne, Guy Lecluyse, Patrick Bosso, Zinedine Soualem, Kinostart: 30. Oktober 2008 bei Prokino
Foto: Verleih
www.chtinn.comWebsite zum Film (französisch)
www.willkommen-bei-den-schtis.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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