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Willkommen bei den Sch'tis

Am französischen Nordpol

Kinostart: 30.10.2008 | Marguerite Seidel | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Richtung Norden und dann immer geradeaus! Schlimmer hätte es für den Postbeamten Philippe Abrams (Kad Merad) nicht laufen können, denn seine Frau träumt eigentlich von einem Leben an der wohlig-warmen Mittelmeerküste. Aber Philippe wird nach einem fehlgeschlagenen Täuschungsmanöver im Rollstuhl, um als Gehbehinderter bevorzugt an einen der beliebten Posten im Süden versetzt zu werden, in die Nähe des Ärmelkanals beordert. Bergues – von Philippe anfangs "beurk", zu Deutsch "igitt", ausgesprochen – ist ein kleines Städtchen in der Region Nord Pas de Calais, das für Franzosen südlich von Paris angeblich so gut wie am Nordpol liegt. Entsprechend widerwillig tritt Philippe die Reise eingemummelt im dicken Parka an; Ehefrau Julie (Zoé Felix) bleibt lieber direkt in der heimatlichen Provence wohnen.

Was nun kommt, ist ein gagreiches Spiel aus Regionalstolz und Vorurteilen: Auf Philippes heillos übertriebene Schreckensvisionen von furchtbarem Wetter, schlechtem Essen und zurückgebliebenen Menschen folgt der komische Culture Clash: Beim Herumwitzeln mit seinen mehr als freundlichen Postmitarbeitern ertränkt Philippe alle Vorbehalte lustvoll in reichlich belgischen Pommes, Bier und dem ortsüblichen Genever-Branntwein. Sogar der nordische Stinkekäse und die vielen "sch"-Laute des eigentümlichen Dialekts der Sch'tis, wie die Bewohner/innen der Region bezeichnet werden, gehen ihm nach ein paar Schlagabtauschen mit Briefträger Antoine (Dany Boon) leicht über die Lippen. Hinderlich fürs Rundumwohlgefühl ist indes, dass Philippe seiner Frau von einer regennassen Hölle erzählt und natürlich damit effektvoll auf die Schnauze fällt.
Werbefilm für das Nord Pas de Calais, Romanze und eingängige Ethno-Comedy in einem: "Willkommen bei den Sch'tis" hat es zum erfolgreichsten Film gebracht, der jemals in Frankreichs Kinos gezeigt wurde, und ist vor allem ein kulturelles Phänomen. Rund ein Drittel aller Franzosen haben den filmischen Klamauk von Stand-up-Comedian Dany Boon mittlerweile gesehen und dessen Heimatregion verzeichnet plötzlich Besucherrekorde. Obwohl "Willkommen bei den Sch'tis" als simple und vorhersehbare Komödie sicherlich nicht der raffinierteste Film ist, scheint er dennoch mit derbem Humor, ausgeprägtem Lokalpatriotismus und Sprachwitzen rund um das Sch'ti den richtigen Ton für eine Art Völkerversöhnung anzuschlagen. Allerdings funktioniert diese nur, indem manche für dumm verkauft werden: Auf einfältige, hochnäsige Südfranzosen mit weltfremden Ehefrauen hat wohl nun keiner mehr Lust, und auch den Zuschauenden könnten durchaus cleverere Witze zugetraut werden. Inwiefern ein deutsches Publikum überhaupt über die regionalen Späßchen Frankreichs lachen kann, ist ohnehin ungewiss. Erinnert man sich jedoch an den Erfolg der Serie "Ein Bayer auf Rügen", dann scheint wiederum einiges möglich – zumindest ein deutsches Remake.
Marguerite Seidel

(Bienvenue chez les Ch'tis) Frankreich 2008, Regie: Dany Boon, Buch: Dany Boon, Alexandre Charlot, Franck Magnier, mit Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin, Philippe Duquesne, Guy Lecluyse, Patrick Bosso, Zinedine Soualem, Kinostart: 30. Oktober 2008 bei Prokino

Foto: Verleih


www.chtinn.com
Website zum Film (französisch)
www.willkommen-bei-den-schtis.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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