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Ein Mann erblindet in seinem Auto, mitten auf der Kreuzung. Ein Fremder bietet ihm Hilfe an, fährt ihn nach Hause – und stiehlt das Auto. Es ist der Beginn einer rätselhaften Epidemie. Nacheinander erblinden die Frau des ersten Blinden, sein Augenarzt, der Dieb und mit ihnen vielleicht die ganze Stadt oder das ganze Land. Ein überforderter Staatsapparat interniert die "Infizierten" in einer Isolierstation, wo schon bald die Anarchie ausbricht. Ein bewaffneter Krimineller ernennt sich zum "König von Station 3" und organisiert die Rationierung der Mahlzeiten sowie die planmäßige Vergewaltigung der Frauen. In einer aus den Fugen geratenen Ordnung beweisen sich selbst überlassene Menschen ihre Fähigkeit zum Bösen, aber auch Solidarität und Mitgefühl.
Wie verfilmt man ein Buch, das von der Blindheit handelt? Keine leichte Aufgabe für den Brasilianer Fernando Meirelles, der die Vorlage des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago für einige Experimente nutzt. Die "Perspektiven" wechseln anfangs von einer Figur zur nächsten, verschwommene Weißblenden dienen als visuelle Umsetzung totaler Blindheit – Konzessionen an das sehende Publikum, die auf die Dauer nicht tragen. Zum Glück ist da noch die sehende Frau des Arztes, gespielt von Julianne Moore. Aus unbekannten Gründen wurde sie nicht angesteckt. Warum sie ihre Fähigkeit geheim hält, bleibt ebenfalls unklar. Auch wenn nicht alles seinen Grund braucht: In der Häufung solcher Rätsel wirkt die düstere
Utopie reichlich unkonkret, als sterile Versuchsanordnung mit begrenzter Aussagekraft. Die Blindheit erscheint als typische Schriftstellermetapher für alles Mögliche – sind wir nicht alle irgendwie blind? Saramagos eben nicht nur fantastischer Frage nach dem "Was wäre wenn?" wird dieses Vorgehen nicht ganz gerecht.
Dennoch ist dieses postapokalyptische Horrorszenario sehenswert. "Die Stadt der Blinden" ist ein ungewöhnlicher Film, der von der visionären Formsprache des "
City of God"-Regisseurs ohne Frage profitiert. Wie sieht es aus, wenn zwei Blinde sich prügeln? Solch banale Fragen werden hier ebenso beantwortet wie die nach der Darstellbarkeit menschlichen Elends. Meirelles mutet seinem Publikum weniger zu als das Buch, aber es ist schlimm genug.
Philipp BühlerBlindness, Kanada, Japan, Brasilien 2008, Regie: Fernando Meirelles, Buch: Don McKellar nach dem Roman von José Saramago, mit Julianne Moore, Mark Ruffalo, Gael García Bernal, Alice Braga, Yusuke Iseya, Danny Glover, Kinostart: 23. Oktober 2008 bei Kinowelt
Foto: Verleih
www.blindness-themovie.comWebsite zum Film (englisch)
www.diestadtderblinden.kinowelt.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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