Max Frisch, citoyen

Über einen, der sich einmischte

Kinostart: 23.10.2008 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Aus dem Deutschunterricht dürften ihn die meisten kennen: Max Frisch, Autor von "Homo faber", "Biedermann und die Brandstifter", "Andorra" und "Stiller" – kluge Bücher, die nachdenken über Ursache und Wirkung menschlichen Tuns. Grübeln, hinterfragen, aber auch das unbequeme Einmischen in die Politik gehörte zu Max Frisch. Er verstand sich als Citoyen, als Vertreter jenes mündigen Bürgers, den einst die Französische Revolution erweckte. "Max Frisch, citoyen" hat der Basler Filmemacher Matthias von Gunten daher sein außergewöhnliches Porträt genannt. Es folgt nicht nur den Lebensspuren des Schweizer Intellektuellen, sondern auch seiner Art zu denken, um dann den Bogen zu schlagen zur intellektuellen Krise der Linken von heute.
Unbelastet vom Blick des Germanisten spürt der Film nach, wie Geschichte, Politik und Zeitgeist Max Frisch prägten: die kleinbürgerlichen Verhältnisse, in die er 1911 hineingeboren wird, der Zweite Weltkrieg, den er als Kanonier erlebt. In seinem "Tagebuch 1946-49" reflektiert Frisch diese Zeit und fräst sich erstmals in das Gewissen der Eidgenossen. Dass er die Kriegszeit in der sicheren Schweiz überleben konnte, während jenseits der Grenze der Holocaust stattfand, war für Max Frisch Grund genug, künftig ins Zeitgeschehen einzugreifen: als Kritiker der biederen Schweiz und der Weltpolitik.

Umfang- und wortreich ist von Guntens Hommage geworden. Schauspieler Reto Hänny spricht darin Passagen aus Frischs Tagebüchern und zeitkritischen Schriften. Nüchtern, bedächtig, scharfsinnig begleiten seine Sätze aufwändig recherchiertes Dokumentarmaterial aus allen Lebensphasen Frischs, angereichert mit privaten Super-8-Filmen und Interviews mit Schriftstellerkollegen und Zeitzeugen.
Cristina Moles Kaupp

Max Frisch, citoyen, Dokumentation, Schweiz 2008, Buch & Regie: Matthias von Gunten, mit Helmut Schmidt, Günter Grass, Christa Wolf, Peter Bichsel, Henry Kissinger, Gottfried Honegger, Reto Hänny, OmU, Kinostart: 23. Oktober 2008 bei GMfilms

Foto: Verleih


www.gmfilms.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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