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Zwei Männer sitzen im Auto, fahren durch die Wälder von Oregon und versuchen, Konversation zu betreiben. Es gelingt mäßig. Kurt und Mark haben sich Jahre nicht gesehen, und die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Mark wird bald Vater. Die Diskussion mit seiner Frau über den spontanen Ausflug mit Kurt deutet bereits an, dass nicht alles zwischen den beiden im Reinen ist. Mark fühlt sich sichtlich unwohl in seiner Rolle als werdender Vater, auch wenn ihm die Worte fehlen, sein Unbehagen auszudrücken. Dann schon lieber raus in die Wildnis, ganz wie früher, mit seinem alten Kumpel. Kurt (gespielt von Indierock-Veteran Will Oldham) ist das komplette Gegenteil von Mark; er hat sich in all den Jahren kaum verändert. Ein Slacker, der seinen hohen Idealen nachhängt, aber im Grunde völlig ambitionslos vor sich hinlebt. Dass sich zwischen Mark und ihm Distanz aufgebaut hat, scheint er nicht zu begreifen. Und je argloser er über ihre Freundschaft und die guten alten Zeiten spricht, desto einsilbiger wird Mark auf der Fahrt.
Kelly Reichardts Film "Old Joy" ist ein Film weniger Worte und kleiner Gesten, aber sie reichen, um das Verhältnis von Mark und Kurt zu beschreiben. Der amerikanische Independentfilm neigt grundsätzlich eher zu Geschwätzigkeit, darum kann man "Old Joy" eine fast asiatische Gemächlichkeit attestieren. Ein Film wie "
Tropical Malady" von Apichatpong Weerakasathul kommt einem unwillkürlich in den Sinn, nicht nur in der Art, wie Reichardt die Wälder Oregons in Szene setzt. Der Ort spielt in "Old Joy" eine ebenso große Rolle wie die Figuren selbst. Die Schönheit der Natur, die voller Leben steckt, ihre Geräusche und die Brechungen des Lichts in den Baumkronen erzeugen einen Zauber, der viel von der unaussprechlichen Schwere nimmt, die zwischen den Männern liegt. Als Mark und Kurt die heißen Quellen im Wald, ihr Ausflugsziel, erreichen, löst sich die Anspannung wenigstens für einen Moment. Man weiß nicht, wen man mehr bedauern soll. Mark, der sich mit seinem neuen Leben nicht abfinden will, oder Kurt, der sich insgeheim nach einem Leben, wie Mark es führt, sehnt. Keiner wagt es, seine Sehnsüchte auszusprechen, aber am Ende ihres kurzen Ausflugs haben beide verstanden, dass sie sich wohl nicht wiedersehen werden.
Andreas BuscheOld Joy, USA 2005, Regie: Kelly Reichardt, Buch: Kelly Reichardt, Jonathan Raymond, mit Daniel London, Will Oldham, Tanya Smith, Robin Rosenberg, Keri Moran, Autumn Campbell, Steve Doughton, Jillian Wieseneck, OmU, Kinostart: 23. Oktober 2008 bei Peripher
Foto: Verleih
www.kino.com/oldjoyWebsite zum Film (englisch)
www.peripherfilm.de/oldjoyWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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