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Burn after Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

Ein Quantum Glück

Kinostart: 2.10.2008 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 20112

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Im filmischen Universum der Brüder Joel und Ethan Coen lohnen sich Verbrechen nicht. In grotesken Komödien wie "The Big Lebowski" (1998) und tiefschwarzen Thrillern wie "Fargo" (1996) häufen sich missglückte Erpressungen, gescheiterte Entführungen und Morde, die mal mehr, mal weniger, mal gar nicht so zufällig geschehen. Der Mensch ist eben nicht nur gierig, selbstsüchtig, hinterlistig und falsch, sondern – was meist zu den stümperhaften Verbrechensversuchen führt – auch ziemlich dämlich. Nun reiht sich "Burn After Reading" nahtlos in die Filmografie der genialen Filmbrüder ein und bestätigt dieses Menschenbild einmal mehr auf großartig überdrehte Weise.

Mit der Komödie beschließen die Coens schließlich ihre Idioten-Trilogie, zu der sie auch ihre Version von Homers Odyssee, "O Brother, Where Art Thou?" (2000), und die Screwballkomödie "Ein unmöglicher Härtefall" zählen und in der jedes Mal George Clooney die Hauptrolle übernommen hat. Für "Burn After Reading" stellen sie ihrem Lieblingsidioten allerdings ein hingebungsvoll und mit sichtbar viel Spaß aufspielendes Ensemble zur Seite, in dem alle deutlich unterbelichteter sind, als sie es selbst wohl von sich glauben.

Neben Clooney als chronischem Fremdgänger Harry Pfarrer gibt John Malkovich eine rüde Performance als CIA-Agent Osborne Cox, der wegen angeblicher Trunkenheit seinen Job beim Geheimdienst verloren hat. Tilda Swinton ist Pfarrers kühle Ehefrau und Frances McDormand die Fitnessclubangestellte Linda Litzke, die dringend Geld braucht für ihre herbeigesehnten Schönheitsoperationen. Vor allem aber in Brad Pitt wurde beachtliches Trottelpotenzial entdeckt: Er spielt den herzig retardierten Fitnesstrainer Chad Feldheimer mit 80er-Jahre-Hairstyle und blondierten Strähnchen.

Es dauert erwartungsgemäß nicht lange, dann werden all diese Figuren ins Schlammassel hineingezogen und sind zugleich Täter und Opfer bei den absurden Ereignissen um ein missglücktes Verbrechen. Der Auslöser dafür ist ironischerweise ein kleines Nichts: eine CD-ROM, die in der Umkleidekabine des Fitnessstudios vergessen wurde. Im Glauben, brisantes Material in den Händen zu haben, wittern Litzke und Feldheimer das ganz große Geschäft. Ihre Erpressungsversuche werden aber ausgerechnet durch die Liebesaffären des sexuell umtriebigen Regierungsbeamten Pfarrer durchkreuzt.

Auch wenn sich dabei alle moralisch zweifelhaft verhalten, empfinden die Coens aber keine wirkliche Verachtung gegenüber den Menschen. Dafür sind sie auch mit zu vielen, fast liebenswürdigen Ticks und Macken ausgestattet worden, während sie sich verzweifelt für ein Quäntchen Glück abstrampeln oder zumindest die immer wieder neu auftretenden Unglücke verhindern wollen. Der Humor dieses Komödie ist dabei stellenweise so schwarz, dass einem hin und wieder das Lachen gefriert, wenn der Film von brüllend komisch auf blutig brutal umschaltet – denn ohne Verluste kommt auch dieses Coen-Werk nicht aus.

Während sich die grotesken Ereignisse in kompakten 90 Minuten überschlagen, hat "Burn After Reading" allerdings nicht den epischen Atem und ist bei weitem auch nicht so nervenaufreibend wie "No Country for Old Men". Was die Gnadenlosigkeit anbelangt, steht diese "kleine, alberne Komödie", wie sie die Coens selbst in einem Anflug von Understatement bezeichnen, dem vorherigen Film aber in nichts nach. So werden Stück für Stück die Leben der Dummbatze zerlegt, bis zum Schluss fast alles in Trümmern liegt und sie von der CIA entsorgt werden. Das heißt aber nicht, dass es nach dem Chaos keinen Grund zur Freude gäbe. In "Burn After Reading" ist sogar Platz für ein Happy-End – ein ganz kleines und eines, wie man es wohl nur bei den Coens bekommt.
Sascha Rettig

(Burn After Reading) USA 2008, Buch & Regie: Ethan Coen, Joel Coen, mit Brad Pitt, Frances McDormand, George Clooney, John Malkovich, J. K. Simmons, Tilda Swinton, Richard Jenkins, Matt Walton, David Huddleston, Kinostart: 2. Oktober 2008 bei Tobis

Foto: Verleih


www.filminfocus.com/focusfeatures/film/burn_after_reading
Website zum Film (englisch)
www.burnafterreading-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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www.kinofenster.de
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