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Der allererste Film des renommierten Animationsfilmstudios Pixar war ein Beinahestummfilm und dauerte gerade mal anderthalb Minuten: "Luxo Jr." (1986) handelte von zwei Schreibtischlampen, die mit einem Ball spielen. John Lasseter hatte damals das Banalste getan, was Animationsfilmer/innen tun können: Er hatte Dinge zum Leben erweckt, sie im Wortsinne animiert.
22 Jahre später, nach Erfolgen wie "Toy Story", "Monster AG", "Findet Nemo" und "Die Unglaublichen" ist Pixar mit "WALL·E" gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Aus einem Acht-Mann-Team wurde ein Riesenunternehmen mit Hunderten Animatoren/innen, aus den beiden Lampen wurden zwei Roboter – aber der Spaß, den es dem Team um Regisseur Andrew Stanton (und Produzent John Lasseter) bereitet haben muss, Dingen Leben einzuhauchen, ihnen Persönlichkeit zu verleihen, ist in diesem Film jederzeit zu spüren. Außerdem kommt auch "WALL·E" in den ersten 40 Minuten fast komplett ohne Worte aus. Ein Stummfilm quasi. Und das im amerikanischen Mainstreamkino!
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Roboter mit Mission
Die Geschichte beginnt mehr als 700 Jahre in der Zukunft auf der Erde. Die Menschen sind verschwunden, hinterlassen haben sie: Müll. Und noch mehr Müll. Und kleine Roboter, die den Müll wegschaffen sollen. WALL·E ("Waste Allocation Load Lifter Earth-Class", ausgesprochen: "Wolly") ist dabei der Letzte seiner Art. Tag für Tag geht er seiner Arbeit nach: Müll suchen, Müll zu Quadern pressen, Müll stapeln. Wolkenkratzerhohe Türme hat er inzwischen errichtet, aber nicht nur das. Irgendwann in all den Jahren hat er zudem eine Persönlichkeit entwickelt.
Wie liebevoll nun gezeigt wird, wie WALL·E sich durch seine Welt
bewegt, mit welcher Neugier und Zuversicht er die Dinge um sich herum
betrachtet, wie er all die Hinterlassenschaften der Menschheit
ausprobiert und inspiziert, sei es ein Feuerlöscher oder eine
Ringschachtel, und abends erschöpft in seinen bis oben hin mit aus dem
Abfall gefischten Gerümpel gefüllten Wohncontainer trottet, den er mit
einer Kakerlake teilt – das ist in seiner Einfachheit ganz großes Kino.
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Roboter mit Herz
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Roboter mit Ausdauer
Bloß tragischerweise muss EVE irgendwann die Erde wieder verlassen. Als die Rakete kommt, um sie abzuholen, fliegt WALL·E heimlich mit und landet in einer gigantischen Raumstation. Es gibt nämlich doch noch Menschen, sie wurden nur rechtzeitig vor dem drohenden Umweltkollaps auf Kreuzraumfahrtschiffe verfrachtet und ins All geschickt. Dort leben sie nun, im Laufe von 700 Jahren weitestgehend degeneriert: Fett und rund wie Klischee-US-Amerikaner/innen, unablässig chattend und konsumierend, vom Babyalter an behütet vom Riesenkonzern Buy'n'Large. Es ist eine zynisch-bonbonbunte Schöne-Neue-Welt-Dystopie, allerdings ohne böse Staatsmacht im Hintergrund.
Neben den Menschen trifft WALL·E außerdem noch auf Myriaden weiterer Roboter: Putzroboter, Schminkroboter, Kontrollroboter, Massageroboter, Navigationsroboter – jeder für sich reizend animiert, was einmal mehr klar macht, um wen es in diesem Film geht. Die Menschen hingegen sind alle gleichförmig gestaltet, sie treten als anonyme, schwabbelige Masse auf.
Ansonsten entwickelt sich die Geschichte in der zweiten Filmhälfte ein wenig konventioneller. Ein klassischer Antagonist kommt ins Spiel, es gibt mehr Action, eine Zuspitzung auf ein spannungsgeladenes Finale und gesprochen wird auch ab und zu. Der besondere Zauber der Anfangsszenen schwingt aber bis zum Ende nach, genauso wie der im Pixar-Vergleich deutlich leisere Humor den ganzen Film über durchgehalten wird.
Im dritten Kurzfilm von Pixar, "Tin Toy" (1988), trat übrigens erstmals ein Mensch auf, ein für heutige Begriffe ziemlich hässlich animiertes Baby. So ist das geblieben: Menschen, obwohl stetig verbessert, sind in computeranimierten Filmen immer ein wenig Fehl am Platz. Sie stören. Man sollte sie in Zukunft vielleicht noch konsequenter weglassen.
(WALL·E) Animationsfilm, USA 2008, Regie: Andrew Stanton, Buch: Andrew Stanton, Jim Reardon, Kinostart: 25. September 2008 bei Buena Vista
Fotos: Verleih
Michael Brake arbeitet als freier Journalist in Berlin, er ist Mitglied des Netzwerks Zentrale Intelligenz Agentur.
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