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Die Kunst des negativen Denkens

Gutmenschen? Nein, danke!

Kinostart: 18.9.2008 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Vor seinem Unfall war Geirr "glücklich, zufrieden und dumm". Jetzt sitzt er im Rollstuhl und kann eines auf den Tod nicht ausstehen: positives Denken. Das bekommt eine Therapiegruppe von Leidensgenossen/innen zu spüren, die seine Frau zu den beiden nach Hause eingeladen hat. Mit sarkastischem Humor führt er den Behinderten ihre Hoffnungslosigkeit vor Augen. Die können sich – vom Hals abwärts gelähmt oder nach Schlaganfall verstummt – kaum wehren. Am meisten hasst Geirr die erfolgsorientierte Therapieleiterin, die ihre Gruppe leitet wie einen Managerkurs für Geisteskranke: "Schwierige Gefühle" gehören nicht in die Öffentlichkeit, sondern ins selbstgehäkelte "Kotzbeutelchen". Geirr hingegen glaubt, dass nur die "Kunst des negativen Denkens" zu so etwas wie einem selbstbestimmten Leben führt. Also wird die Therapeutin rausgeschmissen und der Abend zur selbstzerstörerischen Orgie umfunktioniert. Die Kranken übernehmen die Anstalt und sprechen bittere Wahrheiten offen aus. Danach geht es tatsächlich allen besser.

Schwarzen Humor hat es immer gegeben, in letzter Zeit vor allem im dänischen Film, nun also auch aus Norwegen. Bård Breiens erster Spielfilm ist eine Komödie, und gleicBeinehzeitig ein ernst gemeinter Anschlag auf das "Positive Thinking" und politische Korrektheit aller Art. In der Logik des negativen Denkens ist nicht das Aussprechen der Wahrheit zynisch, sondern das gute Zureden und Beschwichtigen im Sinne von: Das wird schon wieder. Daraus eine Behindertenkomödie zu stricken, ist natürlich gewagt. Und als Vorschlag für einen richtigen Umgang mit Behinderten genommen, wäre der Film katastrophal. Er erlaubt jedoch tiefe Einblicke in eine Gefühlswelt, die Nicht-Behinderten nicht ohne weiteres offen steht. Auf bemerkenswerte Weise schafft es Breien, sich zu jedem Zeitpunkt die Sensibilität zu bewahren, seine Figuren nicht preiszugeben und ohne falsche Sentimentalität komisch zu bleiben. Vom heiteren Gesellschaftsspiel "Wer ist am schlimmsten dran?" bis zum Russischen Roulette geht es vom einen Abgrund zum anderen. Da stört es auch nicht, dass "Die Kunst des negativen Denkens" über weite Strecken ein Kammerspiel bleibt und sich als billige Videoproduktion keine große Sprünge erlauben kann. Mit einem hervorragenden Schauspielerensemble und Galgenhumor der schwärzesten Sorte zeigt der Film einen Mut, der im Kino selten geworden ist.
Philipp Bühler

(Kunsten å tenke negativt) Norwegen 2007, Buch & Regie: Bård Breien, mit Fridtjov Såheim, Kirsti Eline Torhaug, Henrik Mestad, Marian Saastad Ottesen, Kari Simonsen, Per Schaaning, Kjersti Holmen, Kinostart: 18. September 2008 bei Kool

Foto: Verleih


www.negativfilm.no
Website zum Film (norwegisch)
www.diekunstdesnegativendenkens.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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