Babylon A.D.

Knall! Bumm! Peng!

Kinostart: 11.9.2008 | David Siems | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Dem 41-jährigen Haudrauf-Schauspieler Vin Diesel ist es im Laufe seiner Karriere auf explosive und erschütternde Art gelungen nicht nur Dutzende von Filmsets zu verwüsten, sondern nebenbei auch ein ganz eigenes Genre zu gründen: den Vin-Diesel-Film. Darin geht es in der Regel um den wortkargen Einzelgänger, der sich gegen eine verschwörerische Allmacht durchsetzt, ein gehöriges Knall-Bumm-Peng veranstaltet und dabei sein Handeln mit coolen und ironischen Bonmots garniert.

In seinem neuen Film unter der Regie Mathieu Kassovitz (dem Schwarm von Audrey Tautou in "Die fabelhafte Welt der Amélie") ist jene verschwörerische Allmacht allerdings stärker. Es ist die Zukunft in einem fiktiven Staat namens Neu-Serbien, wo Toorop (Vin Diesel) in einem zerfallenen Plattenbau wohnt und als Auftragskiller arbeitet. Alle Menschen sind bewaffnet, der Himmel ist ständig grau und die menschliche Moral aufs Übelste verdorben. Ein Menschenleben scheint in dieser Alptraumwelt nicht mehr viel wert. Toorops neuer Auftrag könnte der Ausweg sein: Er soll eine sonderbare, junge Frau (Mélanie Thierry) nach New York schmuggeln. Neben einem Haufen Geld wartet auch eine neue Existenz auf ihn, doch ähnlich wie einem Videospiel warten auf Toorops Mission zum Ziel auch etliche Schurken, die erst einmal aus dem Weg geballert werden müssen.
Durch gelegentliche thematische Einsprengsel wie "menschliches Klonen" oder "Klimaerwärmung" versucht der Film arg oberflächlich seiner Geschichte ein moralisches Bewusstsein überzustülpen. Doch echte Vin-Diesel-Fans werden sich mit den öden Öko- und Ethikphrasen nicht lange aufgehalten, stattdessen fliegen die Fäuste und rauchen die Pistolen. Visuell orientiert sich die Science-Fiction-Utopie erwartungsgemäß an Genre-Klassikern wie Ridley Scotts "Blade Runner" oder dem bahnbrechenden "Children of Men" von Alfonso Cuarón. Dass der Film dennoch zu den besseren Vin-Diesel-Filmen gehört, liegt demnach auch an der umwerfenden Sci-Fi-Ausstattung, die ein futuristisches New York zeigt, in dem es mehr blinkende LED-Screens als Gebäude gibt. Das verzeiht auch die schon zu oft gehörte Variante vom Wunderkind, das in einer entfremdeten Welt an die ursprünglichen menschlichen Werte appelliert. Vin Diesel nimmt es mit Humor – und lässt lieber die Muskeln spielen.
David Siems

Babylon A.D., USA, Frankreich 2008, Regie: Mathieu Kassovitz, Buch: Joseph Simas, Mathieu Kassovitz, Eric Besnard nach dem Roman "Babylon Babies" von Maurice G. Dantec, mit Vin Diesel, Mélanie Thierry, Michelle Yeoh, Lambert Wilson, Mark Strong, Jérôme Le Banner, Charlotte Rampling, Gérard Depardieu, Joel Kirby, Souleymane Dicko, ab 16, Kinostart: 11. September 2008 bei Concorde

Foto: Verleih


www.babylonad-lefilm.com
Website zum Film (französisch)
www.babylon-ad-film.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)