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Das Trauma sitzt tief. Randy Daytona (Dan Fogler) war als Kind aufstrebender Tischtennisstar, aber nun muss er sich in einem billigen Lokal in Reno mit einer Ping-Pong-Show über Wasser halten. Vor 19 Jahren verlor er ein wichtiges Match gegen den DDR-Athleten Karl Wolfschtagg, weswegen sein Vater, der auf ihn gewettet hatte, seine Schulden bei Mafia-Boss Mr. Feng (Christopher Walken) mit dem Leben bezahlen musste.
Als FBI-Agent Ernie Rodriguez (George Lopez) auftaucht, ergibt sich die Gelegenheit zur Rache: Daytona soll ihm beim Aufspüren von Mr. Feng helfen. Der Drogenboss veranstaltet nämlich alle fünf Jahre ein illegales Tischtennis-Turnier, nur zu seinem Vergnügen. Daytona soll eingeschleust werden und helfen, Feng und seine Bande hochzunehmen. Allerdings nicht ohne vorher ein heftiges Training beim blinden Meister Mr. Wong und seiner ebenfalls bestens Ping-Pong spielenden Tochter Maggie (Maggie Q) zu absolvieren ...
Tischtennis – eine gefährliche, faszinierende Sportart. Zumindest behauptet das Regisseur Robert Ben Garant, indem er das Gerüst einer typischen Martial-Arts-Story à la "Karate Kid" nimmt und die Kampfkunst durch herrlich harmlosen Tischtennis ersetzt. Aber wer jetzt denkt, das sei langweilig, liegt falsch. "Balls Of Fury" bietet Szenen entwaffnender Absurdität, die sämtliche Klischees von Karatefilmen offen legen und ihnen gleichzeitig liebevoll Referenz erweisen, etwa wenn in dampfenden Hinterhöfen illegal Tischtennis gezockt wird – mit dem ganzen Budenzauber wild wettender Asiaten und jeder Menge "Unfair-Play".
Dan Fogler heißt zwar nicht Jack Black, die Darstellung eines mies gelaunten und im Herzen guten Underdogs beherrscht er allerdings bestens. Sein weiblicher Gegenpart Maggie Q ist ungefähr hundertmal hübscher als er, aber das bedeutet in einem solchen Film freilich nichts, solange die Einstellung stimmt. Und wenn Maggie und Daytona am Ende gegeneinander um ihr Leben Ping-Pong spielen müssen, schafft es "Balls Of Fury" sogar, so etwas wie Spannung und Tragik aufkommen zu lassen. Das Beste an diesem wilden, gut gelaunten Spektakel sind aber die Sportszenen: Nie zuvor sah Tischtennis so rasant aus, nie zuvor hat man ihn so stilisiert gesehen, etwa wenn "
Matrix"-Timeslices die Bewegungen der Spieler einfrieren und die Kamera bewundernd um sie kreist – da bekommt man glatt Lust, in den örtlichen Tischtennis-Verein einzutreten.
Aber auch bei den Nebenfiguren zeigt sich, dass "Balls Of Fury" nicht billig und schnell heruntergekurbelt ist: Die obligatorische Schwulen-Parodie gelingt hier dank dem komödiantischen Talent Dietrich Baders ("
Napoleon Dynamite"), der eine Art Kurtisane für Randy Daytona spielt, überdurchschnittlich gut. Vollkommen obskur gerät Co-Autor Thomas Lennon die Darstellung des Karl Wolfschtagg: Den fiesen DDR-Athleten mimt er mit schwarzem Stirnband, hautengem Body und einer Anhängerschaft von dumpfen Punks und Skins. Nationale Klischees so durcheinander bringen können ja wirklich nur die US-Amerikaner. Aber zur verdrehten Art und Weise von "Balls Of Fury" passt es einfach prima.
Ernst Kramer
Balls of Fury, USA 2007, Regie: Robert Ben Garant, Buch: Thomas Lennon, Robert Ben Garant, mit Dan Fogler, Christopher Walken, George Lopez, Maggie Q, James Hong, Terry Crews, Robert Patrick, Diedrich Bader, Aisha Tyler, Thomas Lennon, Cary-Hiroyuki Tagawa, Jason Scott Lee, Kinostart: 10. Juli 2008 bei Universal
Foto: Verleih
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
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