Hair (WA)

Blumenkinder-Revival

Kinostart: 10.7.2008 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken
An Musicals scheiden sich die Geister, schließlich sind spontane Gesangsausbrüche und absurde Tanzeinlagen nicht unbedingt jedermanns Sache. Eines der wenigen Musicals, das man aufgrund seiner selbstironischen Haltung, radikaler Songtexte und groovender Bassläufe bedenkenlos auch bekennenden Musical-Hassern empfehlen kann, ist "Hair". Dieses in vielerlei Hinsicht erstaunliche Stück feierte 1968 – auf dem Höhepunkt der Studentenrevolte – seine Broadway-Premiere und avancierte in der Folgezeit zu einem der weltweit erfolgreichsten Musicals überhaupt.

Anlässlich seines vierzigjährigen Broadway-Jubiläums kommt nun die 1979 unter der Regie von Milos Forman entstandene "Hair"-Filmfassung erneut in die Kinos. Erzählt wird die Geschichte des Farmersohns Claude Bukowski (John Savage), der aus Oklahoma nach New York kommt, um sich bei der Armee für den Vietnamkrieg einzuschreiben. Als er kurz nach seiner Ankunft im Central Park einer Gruppe herumstreunender Langhaariger begegnet, weicht seine anfänglichen Skepsis schnell einer Bewunderung für die unkonventionelle Lebensweise der von Berger (Treat Williams) angeführten Truppe. Dennoch lässt sich Bukowski zunächst nicht davon abbringen, seine Armeepläne in die Tat umzusetzen.
Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, dass sich Regisseur Milos Forman nach seiner Oscar-prämierten Verfilmung von Ken Keseys "Einer flog übers Kuckucksnest" einem eher beschwingten Musicalstoff zugewandt hat. Schaut man allerdings genauer hin, sind durchaus Parallelen erkennbar. Wie Randall McMurphy (Jack Nicholson) in "Einer flog übers Kuckucksnest" ist auch Berger ein ausgeprägter Nonkonformist, der sich von nichts und niemandem vorschreiben lässt, was er zu tun oder zu lassen hat. Wie McMurphy, der sich, um dem Gefängnis zu entgehen, ins Irrenhaus einweisen lässt, lässt sich auch Berger freiwillig – in eine Kaserne – einsperren, wie McMurphy muss er dafür mit seinem Leben bezahlen.

Mal radikal gesellschaftskritisch, mal schreiend komisch, stets pointiert sind die Liedtexte, die von Drogenkonsum, Rassismus und Einsamkeit handeln und in denen so große Verse wie "My hair like Jesus wore it, Hallelujah, I adore it. Hallelujah" vorkommen. Auch wenn sich das Provokationspotenzial langer Haare, auf das sich der Titel des Stücks bezieht, mittlerweile ein wenig abgenutzt hat: Die in "Hair" vorgebrachten Forderungen nach Gleichberechtigung, Pazifismus und Selbstverwirklichung sind heute so aktuell wie damals.
Andreas Resch

Hair, Musical, USA, Deutschland 1979, Regie: Milos Forman, Buch: Michael Weller nach dem Musical von Gerome Ragni und James Rado, mit John Savage, Treat Williams, Beverly D'Angelo, Annie Golden, Dorsey Wright, Don Dacus, Miles Chapin, Michael Jeter, Cheryl Barnes, Richard Bright, Nicholas Ray, Kinostart: 10. Juli 2008 bei Neue Visionen

Foto: Verleih


www.neuevisionen.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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