After Effect

Lauter leere Köpfe

Kinostart: 3.7.2008 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Hereinspaziert in die kühne Welt der Kreativen! Die hier sind Mitte 20, arbeiten als Designer/innen, Texter/innen oder Künstler/innen und versuchen irgendwie den Spagat zwischen Kunst und Kommerz. Ein Paradethema für Dokumentarfilmer/innen, möchte man meinen und staunt angesichts des Filmexperiments, das Autor und Regisseur Stephan Geene als "After Effect" präsentiert. Berlin – was sonst? – liefert die Kulisse für einen 75-minütigen Schwebezustand zwischen dem Impuls am Prozess von etwas Neuem beteiligt zu sein und dem Unvermögen seiner Vollendung. "After Effect" ist ein Hybrid geworden zwischen Dokumentation und Narration, der viel Raum lässt für Doppeldeutigkeit und unfreiwillige Komik.

Zur Story: Eine Werbeagentur hat einen Wettbewerb initiiert. Tiere und Logos stehen im Fokus und damit verknüpft ein innovativer Präsentationsansatz für Firmen wie Armani, Generali-Versicherung oder Puma. Das Budget ist ordentlich, die sterilen Agenturräume im Herzen Berlins passen zum Trend, ebenso die beiden jungen Männer, die als Foto-Modelle von der Straße gecastet wurden. Bei diesen Rahmenbedingungen könnten die auserwählten Stipendiaten nun loslegen, doch eine eigenartige Lähmung hält sie im Griff. Allen voran Rena Yazka (Sabine Timoteo), eine Kreative mit internationalem Renommee. Sie mäkelt herum, fühlt sich unwohl. Vielleicht ist das Thema daran schuld, vielleicht das Können der anderen oder ein Anflug von Melancholie. Alles nur Vermutungen, denn der Film gibt keine Antwort. Zeigt stattdessen, wie Renas Zicken-Zick-Zack-Kurs ihrem Potenzial im Weg steht. Ist sie gelangweilt, überfordert oder will sie nur spielen? Es passt, dass Rena plötzlich an dem 08-15-Model Kai herumlutscht, dem seine erotisch aufgeladene Objektrolle allerdings nur kurze Zeit gefällt. Kai will Gefühle, Rena weiß davon wenig. Er wird das ominöse Projekt in Grund und Boden reiten und alle rennen davon. Warum? Auch das verschweigt der Film und zeigt stattdessen eine Leere, die nicht nur die Locations, sondern vor allem die Köpfe der Beteiligten beherrscht.
Keine Frage, "After Effect" könnte als Satire über all die hohlen Berlin-Mitte-Figuren und ihr unsägliches Lärmen glänzen. Leider zog Stephan Geene, auch bekannt als Mitbegründer der Kreuzberger Theorie-Buchhandlung "b-books", etwas anderes durch den Sinn: etwas Bedeutungsschwangeres über die Brüche und Nöte seiner Generation, mit innovativem Format, hochkreativ natürlich und selbstreferenziell.
Cristina Moles Kaupp

After Effect, Deutschland 2007, Buch & Regie: Stephan Geene, mit Sabine Timoteo, Aljoscha Weskott, Annika Blendl, Esther Buss, Lennie Burmeister, Nario Mentrup, Tamer Yigit, Kinostart: 3. Juli 2008 bei arsenal experimental

Foto: Verleih



www.bbooks.de/aftereffect
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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