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Ian und Terry sind die Söhne eines armen, aber ehrbaren Londoner Restaurantbesitzers und benötigen dringend Geld. Der einfach gestrickte Terry (Colin Farrell) hat beim Pokern 90.000 Pfund verjuxt, und Ian (Ewan McGregor) will seine neue Freundin beeindrucken und braucht darüber hinaus Geld für heikle Investments. Sie bitten ihren vermögenden Onkel Howard (Tom Wilkinson) um finanzielle Hilfe. Der aber steckt in ganz anderen Nöten: Ein ehemaliger Geschäftspartner droht, mit einer Aussage vor Gericht seine Existenz zu vernichten. Ian und Terry sollen ihn zum Verstummen bringen. Nach einigem Zögern willigen sie ein …
Ab und zu spendiert Woody Allen dem Publikum auch ernsthafte Filme. Ebenso wie in seinen Komödien hält er sich dabei gerne an klassische Vorbilder. War "Geliebte Aphrodite" (1995) die Comedy-Version eines griechischen Dramas, so ist "Cassandras Traum" die Anwendung des rigiden Musters klassischer Tragödien auf die heutige Zeit: Immer weiter verstricken sich die Helden in ihr Verhängnis, egal wie sie sich entscheiden. So ahnt man schon recht schnell, dass hier alles ein böses Ende nimmt, allein auf das "Wie" kommt es in "Cassandras Traum" an. Allen liefert zwar keine vertrackten Wendungen wie noch vor zwei Jahren in "Match Point", überzeugt aber mit gradliniger und schnörkelloser Dynamik.
Dazu überzeugen Besetzung und Schauspiel: McGregor und Farrell als von der Gier verführtes Brüderpaar halten die Spannung bis zum Ende. Gerade der lange Zeit als Kassengift geltende Farrell ("
Miami Vice", "
Brügge sehen ... und sterben?") scheint endlich seine Berufung als Darsteller knopfäugiger Einfaltspinsel gefunden zu haben. Einzig dem andernorts brillanten Tom Wilkinson ("
Michael Clayton") nimmt man die Not und die Niedertracht, die in seiner Rolle stecken, nicht ab – schade.
Sehr anregend inszeniert Woody Allen den Punkt, an dem sich der Wille zum sozialen Aufstieg in eine andere
Klasse von keinerlei ethischem Empfinden mehr bremsen lässt. Später wird dann der Umgang mit der auf sich geladenen Schuld zum zentralen Thema. Allen stellt dazu zwei grundsätzlich verschiedene Typen in ein Spannungsverhältnis: Terry, ganz Gefühls- und Gewissensmensch, begreift irgendwann, was er getan hat, und versucht, im Nachhinein inneren Frieden zu finden. Sein Bruder Ian dagegen fehlt das universelle Unrechtsbewusstsein. Er ist zwar kein stumpfer Charakter, aber einer, der zum eigenen Wohle seine Tat rationalisieren kann.
Dass die Inszenierung ruhig und für das Thema geradezu trocken bleibt, ist nur auf den ersten Blick verwunderlich: Allen will das Publikum offenbar nicht mit großen Gefühlen manipulieren, sondern zum weltanschaulichen Denken anregen. Das ist ihm mit "Cassandras Traum" bestens gelungen.
Ernst Kramer(Cassandra's Dream) Großbritannien, USA 2007, Buch und Regie: Woody Allen, mit Colin Farrell, Ewan McGregor, Hayley Atwell, Tom Wilkinson, Tamzin Outhwaite, Sally Hawkins, Andrew Howard, Mark Umbers, Kinostart: 5. Juni 2008 bei Constantin
Foto: Verleih
www.cassandrastraum.film.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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