
Heinz Strunk
fluter.de: Buch, Hörbuch, Hörspiel, Operette am Hamburger Schauspielhaus, Film – hat die Verwertungskette von "Fleisch ist mein Gemüse" jetzt ein Ende erreicht?
Heinz Strunk: Ich hoffe, ja! Mir fiele jetzt zumindest keine weitere Variante ein. Wenn jemand sich da was ausdenken will, dann gerne, aber ohne mich. Mir reicht es langsam. Selbst als man mich vor ein paar Jahren gefragt hat, ob ich das Hörspiel machen will, habe ich gesagt: Okay, ich spreche eine Rolle, aber mehr bitte nicht. Das Gleiche gilt jetzt für die Verfilmung, bei der von Anfang an klar war, dass Christian Görlitz das Drehbuch schreibt. Er hat beim Entstehungsprozess ständig mit mir Rücksprache gehalten, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Aber ein Mitwirken oder ein Mitspracherecht habe ich niemals eingefordert.
Trotzdem sind Sie auch im Film zu sehen und zu hören. Als Erzähler …
… der sich von Wand zu Wand mit einem ausgestopften Hirschkopf unterhält. Ich fand den Gag anfangs noch ein bisschen platt, aber irgendwann habe ich mich ganz gut damit anfreunden können.
Wie ist es denn für Sie, Ihre eigene Jugend noch einmal auf der Leinwand zu sehen? Sie kämpften scheinbar mit furchtbarer Akne, waren bei den Mädchen nicht sehr begehrt und fristeten mit Ihrer Band ein tristes Mucker-Dasein auf Dorf- und Schützenfesten …
Natürlich hat die Zeit damals mich geprägt, auch wenn die Geschichte nicht hundertprozentig mit meiner Biografie übereinstimmt. Da habe ich schon ein wenig dazuerfunden. Die Peinlichkeiten, die im Film an einem Abend passieren, haben sich damals vielleicht über einen Zeitraum von einem Monat zugetragen. Doch damit kein Missverständnis entsteht: Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen. Als ich die Rechte verkauft habe, hatte ich schon ziemlich Bammel, dass irgendein schrecklicher deutscher Comedy-Regisseur sich des Stoffes annehmen würde, aber das ist zum Glück nicht eingetreten. Als ich Regisseur Christian Görlitz kennen gelernt habe, habe ich sehr schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind und er das Ding nicht versauen würde.
Warum mögen Sie keine deutsche Comedy?
Die deutsche Comedy-Szene ist das Schlimmste und Furchtbarste, was mir je unter die Augen gekommen ist. Mein Lebensziel ist es, sie ein für allemal auszurotten. Die Fun-Freitage im Fernsehen sind für mich ein Hochverrat an der ehrenwerten Idee des deutschen Humors, die Persönlichkeiten wie Loriot oder Helge Schneider geprägt haben. Doch was Mario Barth und Konsorten unters Volk bringen, ist in meinen Augen eine niveaulose und arme Frechheit, die dazu beiträgt, damit wir alle noch mehr verdummen. Ich kann da keinen Funken von Originalität erkennen. Deshalb reagiere ich auch sehr empfindlich darauf, wenn ich als "Comedian" bezeichnet werde, denn der Begriff ist eindeutig besetzt. Und zwar negativ.
Worüber können Sie denn im Fernsehen lachen?
Wenn ich ehrlich bin, war "Mein neuer Freund" mit Christian Ulmen die einzige Sendung, die mir in letzter Zeit gefallen hat.
Sie hatten vor ein paar Jahren mit "Fleischmann TV" eine Show auf VIVA. Werden Sie irgendwann wieder fürs Fernsehen arbeiten?
Nein, das ist für mich vorerst gestorben. Während meiner Zeit bei VIVA habe ich das Fernsehen nicht unbedingt lieb gewonnen. Ich konzentriere mich lieber auf andere Entertainment-Disziplinen.
Zum Beispiel?
Ende April wird die Bühnenversion von Rocko Schamonis "Dorfpunks" im Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt, bei der er, Jacques Palminger und ich Regie führen. Außerdem schreibe ich momentan an meinem übernächsten Buch, das von meiner Reise mit Christoph Grissemann nach Kenia handelt. Wir wahren während der Unruhen da und sind sogar nach Mombasa gefahren, obwohl man uns davon abgeraten hat. Ob sie es glauben oder nicht, aber das Buch wird eine weitere Abrechnung mit der deutschen Comedy-Szene werden.
Vorher erscheint erst einmal Ihr Nachfolger zu "Fleisch ist mein Gemüse" …
"Die Zunge Europas" kommt im Oktober. Darin geht es um einen Gagschreiber, der für einen abgehalfterten Comedian arbeitet. Wenn ich ehrlich bin, haben mich während der letzten zwei Jahre enorme Versagensängste geplagt, denn nach "Fleisch ist mein Gemüse" fiel es mir doch sehr schwer zu schreiben. Aber ich habe irgendwie die Kurve gekriegt.
Wie groß ist die Genugtuung, mit Anfang vierzig endlich als Künstler etabliert und kommerziell erfolgreich zu sein?
Nur weil mein Buch verfilmt wurde, heißt das nicht, dass ich jetzt ein reicher Mann bin. Ganz im Gegenteil, das sind alles sehr überschaubare Beträge. Doch dass ich mittlerweile von der Kunst leben kann, stimmt mich schon ein wenig zufrieden.
David Siems führte das Interview.
Foto: "Heinz Strunk" / ©Fabian Hammerl
www.schauspielhaus.deDer aktuelle Spielplan und mehr vom Hamburger Schauspielhaus
www.heinzstrunk.deEigentlich heißt Heinz Strunk Mathias Halfpape, auch bekannt als Jürgen Dose; er arbeitet zusammen mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni für Studio Braun.
www.studiobraun.deEine der edelsten Adressen im Internet
www.pudel.comEine der edelsten Adressen Hamburgs
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