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Auch der neuste Bollywood-Import "Jodhaa Akbar" lässt schwelgen, diesmal im Farbrausch der Wüste Indiens und in einer Orgie der neuen Größenordnung. Ashutosh Gowariker, der zu Indiens bekannten Regisseuren zählt und mit dem Kolonialdrama "Lagaan - Es war einmal in Indien" auch im Westen gut ankam, hat erneut einen opulenten Monumentalfilm gedreht. So viele Elefanten beispielsweise wie dort – als Kampfmaschinen bei Massenschlachten – hat es selbst im Bollywood-Kino so nie gegeben. Paläste wie aus 1001 Nacht und märchenhafte Kostümbilder bilden die Kulisse für die romantische Lovestory zwischen dem berühmten Mogul-Herrscher Akbar und der Hindu-Prinzessin Jodhaa, für die Hritik Roshan und Aishwara Rai Bachchan verpflichtet wurden, zwei der gefragtesten Bollywood-Stars. Gigantisch auch die tänzerischen Massenszenen, zu denen der legendäre A.R. Rahmann den Soundtrack komponierte, der dem Erfolg vieler Kassenschlager Pate stand.
Die manchmal langatmige Handlung – immerhin 213 Minuten Filmlänge! – steckt die Anfänge der Regierungszeit des Großmoguls Jalaluddin Muhammad Akbar (1542-1605) ab, dessen riesiges Reich sich vom Golf von Bengalen im Osten bis nach Kabul erstreckte. Um es zusammenzuhalten und seine Rivalen auszuschalten, ging er zahlreiche Bündnisse durch politisch motivierte Zweckehen ein. Der islamische Herrscher heiratete mehrere hinduistische Prinzessinnen, darunter Hira Kunwari (1542-1611), über die in Geschichtsbüchern jedoch wenig bekannt ist. Der Film stilisiert die Beziehung zur einzigartigen Romanze, obwohl der Mogul in seinem Harem nicht weniger als 300 Frauen zählte. Er wurde in Indien so extrem beliebt, weil er im Kontrast zu seinen Vorgängern eine Politik der religiösen
Toleranz verfolgte. So schaffte Akbar Steuern ab, die hinduistische Pilger auspressten, und erlaubte seiner Frau, ihren Hindu-Tempel im Palast zu behalten.
In Indien hat "Jodhaa Akbar" derzeit in einigen Bundesländern Aufführungsverbot, nachdem Bevölkerungsgruppen wie die im Film dargestellten Rajputen ihm Geschichtsverzerrung vorgeworfen hatten. Dabei sagt Gowariker selbst, dass sein Film aus 30 Prozent Fakten und 70 Prozent Fiktion gemacht sei. "Jodhaa Akbar" liefert keine Wahrheiten, vielmehr ist er ein Versöhnung stiftender Friedensbeitrag in einem explosiv aufgeladenen Kontext, in dem Politik vermischt mit Religion immer wieder zu Genozid und blutigem Hass zwischen Hindus und Muslimen geführt hat. Deshalb setzt der Film auch dem faszinierenden Erbe der Sufi-Musiker ein Denkmal, dieser undogmatischen Tradition im
Islam, die Indiens Kultur so stark bereichert hat.
Susanne GuptaJodhaa Akbar, Indien 2008, Regie: Ashutosh Gowariker, Buch: Ashutosh Gowariker, Haidar Ali, mit Hrithik Roshan, Ashwarya Rai Bachchan, Sonu Sood, Kulbhushan Kharbanda, Suhasini Mulay, Ila Arun, Nikitin Dheer, Abir Abrar, Shaji Chowdhary, OmU, Kinostart: 3. April 2008 bei RapidEyeMovies
Foto: Verleih
www.jodhaaakbar.comWebsite zum Film (englisch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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