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Schmetterling und Taucherglocke

Liebeserklärung ans Dasein

Kinostart: 27.3.2008 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Ärzte können mit dem Locked-In-Syndrom wenig anfangen. Wie kommt man zu dieser äußerst seltenen Krankheit? Wie lässt sie sich heilen? Keine Ahnung. Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) jedenfalls leidet daran. Na toll! Er kann hören, verstehen und mit einem Auge auch sehen, aber nicht sprechen. Eben noch war er Chefredakteur der französischen Modezeitschrift Elle, ein Frauenheld mit aufregendem Leben, nach einem Schlaganfall erwacht er als Gefangener seines Körpers. Er sieht ratlose Ärzte und Krankenschwestern, eine hübscher als die andere, die sich liebevoll um ihn kümmern. Aber er kann nicht flirten. Nur blinzeln. Einmal blinzeln bedeutet ja, zweimal nein. Es ist deprimierend. Zeit für Selbstmitleid.

Für den New Yorker Maler und Regisseur Julian Schnabel war Baubys Fall allerdings ein makabrer Glücksfall. Denn aus dem persönlichen Drama macht er ein großartiges Stück Filmkunst. In "Schmetterling und Taucherglocke" sehen wir die Welt, wie Bauby sie sieht. Die Kamera blinzelt, blickt herum und wirft mit wunderschön verwaschenen, leuchtenden Bildern die herrlichsten Gemälde auf die Leinwand. Das kann man nicht beschreiben, man muss es gesehen haben.
Die spannende Frage ist natürlich, wann der Film diese ungewohnte Perspektive verlässt. Darauf zu verzichten, wäre ein echtes Statement gewesen. Aber das Werk will ja nicht als Installation im Museum enden, sondern ins Kino. Und um Mathieu Amalrics irre Performance wäre es wirklich schade gewesen. Mit nur einem Auge ist der französische Schauspieler witziger als andere mit dem ganzen Gesicht. Zumindest eine Weile. Bauby muss nämlich erkennen, dass er mit zynischen Weltbetrachtungen der Taucherglocke seiner reduzierten Existenz – hatte er je eine andere? – nicht entkommt. In Gedanken und Erinnerungen an das alte Leben meldet sich die Reue. Mit den Künstlerporträts "Basquiat" (1996) und "Before Nicht Falls" (2000) hat Schnabel ja bereits bewiesen, dass er auch die konventionelleren Stilmittel beherrscht. "Schmetterling und Taucherglocke" drehte er nach Memoiren des echten Bauby, die dieser in quälend langen Sitzungen allein mit dem Blinzelalphabet diktierte. Kurz darauf verstarb er. Der Film, eine erstaunlich heitere Liebeserklärung an das Leben, ist ein beeindruckendes Vermächtnis.
Philipp Bühler

(Le scaphandre et le papillon) Frankreich, USA 2007, Regie: Julian Schnabel, Buch: Ronald Harwood nach der Autobiografie von Jean-Dominique Bauby, mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marie-Josée Croze, Anne Consigny, Patrick Chesnais, Marina Hands, Max von Sydow, Kinostart: 27. März 2008 bei Prokino

Foto: Verleih


www.lescaphandre-lefilm.com
Website zum Film (englisch)
www.schmetterling-und-taucherglocke.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
www.visionkino.de
Filmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz




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