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Ärzte können mit dem Locked-In-Syndrom wenig
anfangen. Wie kommt man zu dieser äußerst seltenen Krankheit? Wie lässt
sie sich heilen? Keine Ahnung. Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric)
jedenfalls leidet daran. Na toll! Er kann hören, verstehen und mit
einem Auge auch sehen, aber nicht sprechen. Eben noch war er
Chefredakteur der französischen Modezeitschrift Elle,
ein Frauenheld mit aufregendem Leben, nach einem Schlaganfall erwacht
er als Gefangener seines Körpers. Er sieht ratlose Ärzte und
Krankenschwestern, eine hübscher als die andere, die sich liebevoll um
ihn kümmern. Aber er kann nicht flirten. Nur blinzeln. Einmal blinzeln
bedeutet ja, zweimal nein. Es ist deprimierend. Zeit für Selbstmitleid.
Für den New Yorker Maler und Regisseur
Julian Schnabel war Baubys Fall allerdings ein makabrer Glücksfall.
Denn aus dem persönlichen Drama macht er ein großartiges Stück
Filmkunst. In "Schmetterling und Taucherglocke" sehen wir die Welt, wie
Bauby sie sieht. Die Kamera blinzelt, blickt herum und wirft mit
wunderschön verwaschenen, leuchtenden Bildern die herrlichsten Gemälde
auf die Leinwand. Das kann man nicht beschreiben, man muss es gesehen
haben.
Die spannende Frage ist natürlich, wann der Film diese ungewohnte
Perspektive verlässt. Darauf zu verzichten, wäre ein echtes Statement
gewesen. Aber das Werk will ja nicht als Installation im Museum enden,
sondern ins Kino. Und um Mathieu Amalrics irre Performance wäre es
wirklich schade gewesen. Mit nur einem Auge ist der französische
Schauspieler witziger als andere mit dem ganzen Gesicht. Zumindest eine
Weile. Bauby muss nämlich erkennen, dass er mit zynischen
Weltbetrachtungen der Taucherglocke seiner reduzierten Existenz – hatte
er je eine andere? – nicht entkommt. In Gedanken und Erinnerungen an
das alte Leben meldet sich die Reue. Mit den Künstlerporträts "Basquiat" (1996) und "
Before Nicht Falls" (2000) hat Schnabel ja
bereits bewiesen, dass er auch die konventionelleren Stilmittel
beherrscht. "Schmetterling und Taucherglocke" drehte er nach Memoiren
des echten Bauby, die dieser in quälend langen Sitzungen allein mit dem
Blinzelalphabet diktierte. Kurz darauf verstarb er. Der Film, eine
erstaunlich heitere Liebeserklärung an das Leben, ist ein
beeindruckendes Vermächtnis.
Philipp Bühler(Le scaphandre et le papillon) Frankreich, USA 2007, Regie: Julian Schnabel, Buch: Ronald Harwood nach der Autobiografie von Jean-Dominique Bauby, mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner, Marie-Josée Croze, Anne Consigny, Patrick Chesnais, Marina Hands, Max von Sydow, Kinostart: 27. März 2008 bei Prokino
Foto: Verleih
www.lescaphandre-lefilm.comWebsite zum Film (englisch)
www.schmetterling-und-taucherglocke.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
www.visionkino.deFilmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
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