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Irgendwas geht immer schief und keine Tat bleibt unentdeckt. Unter Filmregisseuren/innen wurden diese Erkenntnisse wohl kaum so verinnerlicht wie von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Nach Filmen wie "Blood Simple" (1984) und "The Big Lebowski" kehren sie mit ihrem neuen Werk "No Country for Old Men" nun einmal mehr zurück zu den Verbrechen, deren Folgen eine ganz eigene Dynamik entwickeln und in den Konsequenzen dann oft auf groteske Weise aus dem Ruder laufen.
Verbrechen und ihre Folgen
Der neue Abstecher ins Coen-Country führt in das Texas der 1980er-Jahre. In der staubtrockenen Hitze der endlosen Wüste entdeckt der Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) bei der Antilopenjagd nicht nur den Tatort eines geplatzten Drogendeals inklusive eines halben Dutzends toter Mexikaner und kiloweise Heroin. Er findet am Tatort auch einen Koffer mit zwei Millionen Dollar. Ohne lange zu überlegen, nimmt sich Moss den Koffer und will verschwinden. Doch er ahnt nicht, was diese Tat nach sich zieht und dass sich unter anderem ein alternder Sheriff namens Bell (Tommy Lee Jones) und der Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) an seine Fersen heften werden.
Nach der ungewöhnlich gefälligen Screwballkomödie "Ein unmöglicher Härtefall" und dem durchweg misslungenen Remake des Gaunerklassikers "Ladykillers" finden die Coen-Brüder mit "No Country for Old Men" zur Hochform zurück. Dabei handelt es sich nicht mal um eine eigene Coen-Crime-Story. Nachdem sie sich schon einige Male wie etwa bei "O Brother, Where Art Thou?" (2000) von Homer literarisch inspirieren ließen, haben sie nun erstmals einen Roman adaptiert.
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Willkommen in Coen-Country
Die gleichnamige Vorlage dazu stammt von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy, die das Filmemacher-Duo sehr werkgetreu auf die Leinwand gebracht hat. Das schlägt sich zum einen in den lakonischen Dialogen nieder, zum anderen aber auch in der hochkonzentrierten Erzählweise, die sich auf das Wesentliche beschränkt: Bei aller technischen Brillanz verzichten sie diesmal auf formale Spielereien, surrealistische Traumsprengsel und andere Gimmicks.
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Deutlich Aufsehen erregender ist jedoch Chigurh. Eine Killermaschine mit überaus komischer Frisur, bei der es sonst aber nichts zu lachen gibt. Ein dämonischer Soziopath, der mit regelrecht monströser Urgewalt seinen Weg mit Leichen pflastert. Eine herkömmliche Waffe benutzt er nicht, sondern ein Lufthochdruck-Bolzenschussgerät: Einmal auf der Stirn angesetzt, abgedrückt und schon befindet sich das nächste Opfer im Jenseits. Chigurh tötet erbarmungslos, still und kalt, ohne emotionale Regung und extrem präzise. Es kann höchstens passieren, dass er zuvor noch mit teuflischem Humor und dem Anflug eines ebensolchen Grinsens die Tötung eines potenziellen Opfers per Münzwurfspielchen entscheidet.
Action à la Coen
Dabei verschränkt "No Country for Old Men" Spätwestern, Noir und Thrillerelemente mit absurd komischem und sehr brutalem Resultat ineinander. Die Coens selbst sagten in einem Interview augenzwinkernd, dass sie mit ihrem Film dem Action-Genre so nah gekommen sind, wie sie es wohl nie wieder werden. Schließlich liefern sich Moss, Chigurh und Bell eine Verfolgungsjagd – wenn auch die wohl ruhigste der Filmgeschichte. Während sie sich in den Kleinstädten, Motels und der zerklüfteten Landschaft suchen und belauern, gelingen den Coens in der knisternden Stille einige überaus aufreibende Spannungsmomente. Still ist das und ziemlich entschleunigt, aber auch furchtbar atemlos.
"No Country for Old Men", zurecht bereits mit Preisen überschüttet, wird bei all dem zu einer pessimistischen Reflexion über das Böse in der Natur des Menschen, über die Gewalt und wie sich das Gute aus dieser Welt verabschiedet zu haben scheint. Aus der Situation, die die Coens hier schaffen, gibt es schließlich keinen Ausweg, kein Entwischen und keine Hoffnung. Zum Altwerden ist dieses Land tatsächlich nicht geeignet.
No Country for Old Men, USA 2007, Buch und Regie: Joel Coen, Ethan Coen, nach dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy, mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly MacDonald, Garret Dillahunt, Tess Harper, Barry Corbin, Rodger Boyce, Beth Grant, Kit Gwin, ab 16, Kinostart: 28. Februar 2008 bei Universal
Fotos: Verleih
Sascha Rettig ist Filmjournalist in Berlin.
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