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8 Blickwinkel

Alles ist austauschbar

Kinostart: 28.2.2008 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Wenn Hollywood-Autoren/innen gar nichts mehr einfällt, haben sie immer noch die Wahl zwischen exakt zwei Handlungsmotiven: Weltuntergang oder Attentat auf den Präsidenten. Pete Travis entschied sich für das Attentat. Diese Filme gibt es schon lange, sie unterscheiden sich nur in Nuancen. Mit dem aktuellen Amtsträger hat der Filmpräsident nie etwas zu tun, der Präsidentenkörper erfüllt seine Funktion als reiner Fetisch. Dessen Vernichtung allerdings bildet das dramaturgische Äquivalent zum, genau, Weltuntergang. Das Szenario kann auf überhaupt alle aktuellen Bezüge verzichten, aber wenn sich der globale Terrorismus gerade anbietet – warum nicht? Kurz und gut: Auf einem Anti-Terror-Gipfel im spanischen Salamanca wird auf den US-Präsidenten geschossen. Sekunden später explodiert an selber Stelle eine Bombe. Es beginnt die hektische Jagd auf den oder die Täter.

Travis hielt es nun für den Gipfel der Innovation, seinen Thriller aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen. Als ob das nicht selbstverständlich wäre. It's cinema, stupid! Die Perspektiven auf ein und dasselbe Ereignis werden nicht wie üblich durch den Schnitt miteinander verknüpft, sondern nacheinander abgerufen. Wie auf einem Überwachungsband wird also immer wieder zurückgespult auf Anfang. Das Verfahren suggeriert Komplexität und war wohl auch der Köder für Stars wie Sigourney Weaver, Dennis Quaid und Forest Whitaker. Quaid spielt den Leibwächter, Weaver die taffe TV-Chefin und Whitaker einen harmlosen Touristen, der mit seiner Digitalkamera zum wichtigsten Zeugen mutiert. Vielleicht hätte der Film tatsächlich das Zeug zu einem modernen "Rashomon" – jener Klassiker des japanischen Meisterregisseurs Akira Kurosawa von 1950, in dem dieser das multiperspektivische Erzählen zur Perfektion brachte. Aber dazu müsste er sich für diese Figuren interessieren. Er müsste sich für den Präsidenten interessieren und für dessen Politik. Und er müsste auch in ungefähr klarmachen, was um Himmels Willen diese konturlosen Terroristen eigentlich antreibt.

Die Wahrheit, um die es angeblich geht, ist völlig belanglos. Und der Trubel darum in mehr als einer Szene sagenhaft lächerlich. In einer irren Verfolgungsjagd durch die verwinkelte Altstadt von Salamanca hat man mehr Angst um unbeteiligte Passanten/innen als um den durchgedrehten Dennis Quaid. Travis verwechselt durchweg Hektik mit Hochspannung. Und weil in diesem Verkehrsunfall von Film wirklich alles austauschbar ist, vom Präsidenten bis zum ganzen Konzept, ist das wunderschöne Salamanca in Wahrheit Mexico City.
Philipp Bühler

(Vantage Point) USA 2008, Regie: Pete Travis, Buch: Barry Levy, mit Dennis Quaid, Matthew Fox, William Hurt, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, Eduardo Noriega, Richard T. Jones, Edgar Ramirez, Saïd Taghmaoui, Ayelet Zurer, Leonardo Nam, Kinostart: 28. Februar 2008 bei Sony Pictures

Foto: Verleih


www.vantagepoint-movie.com
Website zum Film (englisch)
www.8blickwinkel.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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