t

My Blueberry Nights

Blau ist die Liebe

Kinostart: 24.1.2008 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 17280

Image 17280

Unter Umständen kann Blaubeerkuchen ja ein ganz interessantes Gesprächsthema sein. In David Lynchs "Twin Peaks"gehören die Lobeshymnen von Agent Cooper auf die lokale Spezialität zu den unvergesslichen Momenten der Serie. In einem kleinen, vollgestopften Diner mitten in New York verliert das Dessert allerdings sehr schnell seinen Reiz. Überzeugen kann man sich davon in Wong Kar-Wais neuem Film "My Blueberry Nights", in dem jede Menge gut aussehender Menschen sich in unerträglichen Platitüden über das Leben, die Liebe und eben Blaubeerkuchen auslassen.

Wong Kar-Wai hat mittlerweile ja schon einige Filme über das Leben und die Liebe gemacht; seine Edel-Schmonzette "In the Mood for Love" (2000) ist vielleicht sogar das schönste Beispiel für urbanen Melo-Existenzialismus seit Antonionis "Liebes"-Trilogie. Wongs Filme verliehen bislang noch der alltäglichsten Verrichtung eine unwirkliche Eleganz. In "My Blueberry Nights" muss man nun aber einem glatten Schönling wie Jude Law in der Rolle des Jeremy beim Servieren und Philosophieren zusehen. Keiner will seinen Blaubeerkuchen. Bis eines Nachts die sitzen gelassene Elizabeth (die Sängerin Norah Jones in ihrer ersten Filmrolle) in sein Diner hineinschneit. Von ihrem Platz aus beobachtet sie das Apartment ihres Ex-Freundes und wird dabei von Law getröstet und versorgt. Als der Schmerz nachlässt, macht sie sich auf eine lange Reise durch die USA, bei der sie noch andere traurige Gestalten wie den Polizisten Arnie (David Strathairn) oder die Spielerin Leslie (Natalie Portman) trifft. Ab und an schickt sie eine Postkarte nach New York, wo Jeremy weiterhin Blaubeerkuchen backt, in der Hoffnung, dass Elizabeth eines Tages wieder in sein Leben treten wird.

Blaubeerkuchen ist als Liebesmetapher natürlich reichlich albern, was daran liegen mag, dass sich Co-Autor Lawrence Block bisher vor allem mit Krimis einen Namen gemacht hat. Weiß der Teufel, was Wong dazu bewogen hat, sich dieses blutarmen Skripts für seinen ersten englischsprachigen Film anzunehmen. Doch abgesehen von den schlechten Dialogen erweist sich auch seine somnambule Noir-Ästhetik als für das US-amerikanische Heartland denkbar ungeeignet. Auch Wong gelingt es nicht, aus Las Vegas einen interessanten Ort zu machen. Sein Faible für schöne Oberflächen erweist sich in "My Blueberry Nights" endlich als großes Manko. Die hübschen Arrangements und liebevollen Details sind diesmal bloß aufgeladen mit Erinnerungen an schlechte amerikanische Filme.
Andreas Busche

My Blueberry Nights, Hongkong, China, Frankreich 2007, Regie: Wong Kar-Wai, Buch: Wong Kar-Wai, Lawrence Block, mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, Natalie Portman, David Strathairn, Chan Marshall, Tim Roth, Ed Harris, Benjamin Kanes, Geoff Falk, Bill Hollis, Arnita Williams, Kinostart: 24. Januar 2008 bei Prokino

Foto: Verleih


www.myblueberrynights.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

Dein Kommentar