Mein bester Freund

Ein Buddy-Movie

Kinostart: 6.12.2007 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Es ist ein Grundprinzip des Buddy-Movies, dass in ihm zwei sehr unterschiedliche Charaktere zusammengeführt und im Lauf des Films zu dicken Freunden werden. In "Ein seltsames Paar" aus dem Jahr 1968, einem der schönsten Kunpel-Filme überhaupt, ist es das Zusammenspiel des chaotischen Lebemanns Oscar (Walter Matthau) und des ordnungsliebenden Spießers Felix (Jack Lemmon), welches den Film zu einer so wundervollen Komödie macht.

"Mein bester Freund" von Patrice Leconte folgt diesem altbewährten Schema, denn François (Daniel Auteuil) und Bruno (Dany Boon) könnten verschiedener kaum sein: Der eine ist ein gut situierter Antiquitätenhändler aus besseren Kreisen, der andere ein schnöder Taxifahrer. Auch charakterlich haben die beiden wenig miteinander gemein. Während François mürrisch, elitär, mehr auf leblose Gegenstände als auf Menschen fixiert ist, ist Bruno charmant, witzig, ernsthaft an den Sorgen anderer interessiert.

Als François von seiner Geschäftspartnerin Catherine (Julie Gayet) während eines Geschäftsessens unterstellt wird, keine Freunde zu haben, schließen die beiden eine Wette ab: Sollte es François nicht gelingen, innerhalb von zwei Wochen einen besten Freund zu präsentieren, bekommt Catherine jene antike griechische Vase geschenkt, die er gerade für zweihunderttausend Euro ersteigert hat und die – oh, welch Symbolhaftigkeit! – der Legende nach einst mit den Tränen des Achill gefüllt war, die der über den Tod seines besten Freundes Patroklus vergossen hat.

Es beginnt ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit, denn tatsächlich hat François nicht nur keinen besten, sondern, viel schlimmer, überhaupt keinen Freund. Nach einigen fehlgeschlagenen Annäherungsversuchen engagiert er deshalb den Gutmenschen Bruno, der ihn schon öfters in seinem Taxi chauffiert hat, um ihm beizubringen, wie man seinen Mitmenschen respektvoll gegenübertritt. Doch obwohl François Fortschritte macht, scheint er seinem Ziel nicht wirklich näher zu kommen – bis ihm klar wird, dass Bruno jener Freund ist, den er die ganze Zeit über gesucht hat.
In den schönsten Momente von "Mein bester Freund" sieht man den von Natur aus so reservierten François, wie er krampfhaft um zwischenmenschliche Nähe bemüht ist: wie er in einem Restaurant zwei Senioren beobachtet – in der Hoffnung, so herausfinden zu können, wie das Prinzip Freundschaft funktioniert –, oder einem alten Schulfreund im Supermarkt auflauert, nur damit der ihm offenbaren kann, ihn schon immer aus tiefstem Herzen gehasst zu haben.

Leider kann der Film diesen Schwung nicht immer aufrecht erhalten, da er bisweilen in einen Aggregatzustand leicht schmalziger Rührseligkeit umschlägt, was vor allem an der in ihrem unbestechlichen Gutmenschentum manchmal etwas nervigen Figur des Bruno liegt. Dennoch ist "Mein bester Freund" eine sympathische und unterhaltsame Reflexion über den Wert der guten, alten Freundschaft in Zeiten von Business Lunch und Speed Dating.
Andreas Resch

(Mon meilleur ami) Frankreich 2006, Regie: Patrice Leconte, Buch: Patrice Leconte, Jérôme Tonnerre nach einer Geschichte von Olivier Dazat, mit Daniel Auteuil, Dany Boon, Julie Gayet, Julie Durand, Jacques Mathou, Marie Pillet, Elisabeth Bourgine, Henri Garcin, Kinostart: 6. Dezember 2007 bei Alamode

Foto: Verleih


www.monmeilleurami-lefilm.com
Website zum Film (französisch)
www.alamodefilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)