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Muharrem lebt ein durch und durch bescheidenes Leben. Der ältliche Junggeselle wohnt allein in einem alten, verwinkelten Stadtviertel Istanbuls und arbeitet als Lagerverwalter bei dem Sackhändler Ali, dessen Vater Muharrem als Kind aufgenommen hatte. Seine Tage laufen nach dem immergleichen Muster ab. Abwechslung bringen nur die Gebete im Kloster eines islamischen Ordens, bei denen er sich mit den anderen Gläubigen zu rhythmischen Gesängen in Trance fallen lässt – und das Schuldbewusstsein über die Träume, in denen ihm stets die gleiche Frau begegnet und die sich zu häufen scheinen. Doch auch diese Schande lässt sich am besten durch inbrünstiges Befolgen der Ordensregeln bewältigen. Nichts läge Muharrem also ferner, als sich über irgendetwas zu beklagen. Und so kann er auch nicht ablehnen, als das Klosteroberhaupt dem zuverlässigen Mann anbietet, künftig das Eintreiben der Mieten in den ordenseigenen Immobilien zu übernehmen: "Was uns anvertraut wurde, sollen wir mehren."
Die Veränderungen, die mit dieser neuen Aufgabe einhergehen, scheinen zunächst nur äußerlich. Muharrem, dargestellt von dem türkischen Schauspielstar Erkan Can ("
Vizontele", 2001, "
Kopf oder Zahl", 2005), sieht plötzlich um Jahre jünger aus in seinen schicken Anzügen, mit Mercedes und Handy. Doch die Beförderung, mit der ein Umzug ins Kloster und damit noch größerer Einfluss des streng konservativen Ordens verbunden sind, verlangt Übermenschliches von dem gutherzigen Mann. Und so verstrickt er sich bei der ersten Gelegenheit, in der er entgegen seiner Überzeugung anderen Menschen nicht helfen, sondern sie im Gegenteil ausnehmen soll, in ein Gespinst aus Veruntreuung und Lügen, immer bunteren Versuchungen und noch mehr Schuld.
Die Veränderung in Muharrems Leben verunsichert ihn stark, macht ihn haltlos und krank. Der Film verlässt nun auch die fast dokumentarische, direkte Beobachtung des Alltagslebens in der Stadt zwischen Tradition und Moderne und experimentiert stattdessen mit grellen Farben und Industrial Sound. Mancher Effekt wirkt dabei übergroß, um die große Furcht und den Wahnsinn, der Muharrem schließlich befällt, zu bebildern. Özer Kiziltan hätte in seinem Regiedebüt auch ganz auf das zurückgenommene, aber intensive Spiel seines preisgekrönten Hauptdarstellers vertrauen können. Währenddessen darf Fatih Akin, mit
Corazón International deutscher Koproduzent, außer für seine eigene Regiearbeit "
Auf der anderen Seite", die für Deutschland ins Rennen geht, auch auf eine
Oscar-Nominierung für "Takva - Gottesfurcht" hoffen, den die
Türkei als besten fremdsprachigen Film bei der
Academy eingereicht hat.
Ingrid Arnold(Takva) Türkei, Deutschland 2006, Regie: Özer Kiziltan, Buch: Onder Çakar, mit Erkan Can, Güven Kiraç, Meray Ülgen, Öznur Kula, Settar Tanriögen, Erman Saban, Murat Cemcir, Settar Tanriogen, Salaetin Bilal, Kinostart: 15. November 2007 bei Rif Film
Foto: Verleih
www.takva.com.trWebsite zum Film (tükisch, englisch)
www.takva-film.deWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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