Beim ersten Mal

Schluss mit lustig

Kinostart: 23.8.2007 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken
One-Night-Stands sind normalerweise eine unverfängliche Sache. Da treffen sich zwei Menschen und haben ihren Spaß, wenn sie für eine Nacht übereinander herfallen. Was am Morgen danach folgt, ist oft allerdings verkrampft, peinlich und manchmal auch erschreckend, wenn man sieht, was da eigentlich neben einem im Bett liegt. Nach einem schnellen Kaffee wird die Begegnung dann beendet – ohne Telefonnummerntausch, ohne Wiedersehen. In "Beim ersten Mal" spielt Regisseur Judd Apatow jetzt die andere Möglichkeit durch, was passieren kann, wenn diese eigentlich einmalige Begegnung Folgen hat.

Als die so blonde wie attraktive Alison mit ihrer Schwester ausgeht, um ihren neuen Job als Fernsehmoderatorin zu feiern, lernt sie den etwas dicklichen Slacker Ben kennen – und landet nach viel Alkoholeinfluss mit ihm im Bett. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, sieht sie, dass sie mit einem Typen geschlafen hat, auf den sie sonst wohl kaum einen zweiten Blick geworfen hätte. Der noch größere Schock allerdings kommt ein paar Wochen später, als sie feststellt, dass sie von Ben schwanger ist. Eine Abtreibung kommt dennoch nicht in Frage. Außerdem will sie nicht nur das Kind behalten, sondern es auch mit dem Typen probieren, der ganz anders als sie und kaum so weit ist, für sein eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen.
Unübersehbar hat Apatow nach "Jungfrau (40), männlich, sucht ..." (2005) auch in seiner zweiten Regiearbeit eine große Sympathie für Männer, die einfach nicht erwachsen werden können. Während die Frauen wie Alison und ihre Schwester verantwortungsbewusster, aber auch überspannter wirken, sind Ben und seine Kumpels relaxt, unreif und eigentlich ganz normal erfolglose Rumhänger: Sie kiffen gern, haben einen spätpubertären Sinn für Humor und verfolgen die absurde Geschäftsidee, eine Website mit Nacktszenenclips von Hollywoodstars aufzubauen.

Den Willen der ungleichen Paarung muss man aber einfach ebenso hinnehmen wie die unwahrscheinliche Tatsache, dass Abtreibung hier nie wirklich ein Thema ist. Apatow will schließlich, dass diese so gegensätzlichen Menschen in solch einer Situation das Richtige tun – also Verantwortung übernehmen und sich für das Kind irgendwie zusammenraufen. Selbst wenn so eigentlich recht traditionelle Familienwerte durch das Hintertürchen kommen, beweist der Regisseur bei dieser Kollision zweier Lebensentwürfe aber erneut sein Gespür für derbe Situationskomik und spitze Dialoge. Dabei ist es vor allem dieser ehrliche und unverklemmte Blick auf Ehe(-probleme) und Beziehungen, der "Beim ersten Mal" trotz gelegentlichen Herumeierns bei knapp 130 Minuten zur großen Komödienausnahme im Popkornkino macht.
Sascha Rettig

(Knocked Up) USA 2007, Buch und Regie: Judd Apatow, mit Katherine Heigl, Seth Rogen, Paul Rudd, Leslie Mann, Jason Segel, Jay Baruchel, Jonah Hill, Martin Starr, Charlyne Yi, Kinostart: 23. August 2007 bei Universal

Foto: Verleih


www.knockedupmovie.com
Website zum Film (englisch)
http://movies.universal-pictures-international-germany.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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