Calling Hedy Lamarr

Hommage an eine schöne Frau

Kinostart: 12.7.2007 | Jenni Zylka | Kommentar schreiben | Artikel drucken
In ihren letzten Lebensjahren waren ihre Kontakte zur Außenwelt auf das Telefonieren beschränkt. Unter anderem mit ihrem Sohn, der, heute 60-jährig, ein Telefongeschäft in Los Angeles betreibt. Und noch lange nicht alles über seine berühmte Mutter weiß, was er wissen will.

Hedy Lamarr hatte eine Bilderbuchkarriere: 1933 war sie – mit knapp 20 Jahren – die erste Nacktdarstellerin der Kinogeschichte, Auswanderung in die USA, wo der schönen Österreicherin gleich sämtliche Mogule zu Füßen lagen. Mehrere Hochzeiten, mehrere Kinder, eine Skandalbiografie und der Mythos, sie habe nebenbei in Kriegszeiten als technisch höchst versierte Erfinderin eine (zu spät) patentierte Frequenzmodulation ersonnen, die auch heute noch in jedem Mobiltelefon zur Anwendung kommt.
"Calling Hedy Lamarr" hat eine künstliche, aus fiktiven Telefongesprächen mit Hedy zusammengeschnittene Form gefunden, um von der mysteriösen Frau zu erzählen. Lose wird die Geschichte vom Wunsch des Sohnes zusammengehalten, einen Spielfilm über das Leben seiner Mutter zu inszenieren. Der redselige, dickliche Mann fährt plaudernd mit dem Auto durch Los Angeles und scheint das Casting von Schauspielerinnen als Therapieersatz zu nutzen.

Meist klappt das liebevolle Experiment ganz gut, lauscht man fasziniert den Erinnerungen von Hedys Freunden/innen, Nachbarn/innen, ehemaligen Kollegen/innen, von den unterschiedlichen Einschätzungen und Beschreibungen dieser schillernden Hollywood-Legende. Doch manchmal kippt die elegische Biografie – ein typisches Fan-Film-Problem – ins Heroische. Dann würde man lieber mal ein paar Fakten hören, ein paar Original-Zitate von Hedy selber, mal eine Zeitlinie sehen. Dazu hat sich der Frequenz-Patent-Mythos eigentlich längst in Wohlgefallen aufgelöst: Laut aktueller Quellen hätte Hedys Erfindung, die sie damals der US-Luftabwehr schenken wollte, ohnehin nie funktioniert. Und auch ihre Schauspielkünste waren eher begrenzt. Unter anderem darum wollte mit steigendem Alter keiner mehr etwas von der Lamarr wissen. Wie dramatisch die Einsamkeit der alten Frau tatsächlich war, wird erst in wenigen traurigen Original-Videoaufnahmen am Ende des Films klar.
Jenni Zylka

Calling Hedy Lamarr, Dokumentarfilm, Österreich, Großbritannien, Deutschland 2004, Regie: Georg Misch, Buch: Georg Misch, Anthony Loder, mit Anthony Loder, Denise Loder-DeLuca, Hans Janitschek, Peter Shen, Arlene Roxbury, David Hughes, Peter Gardener, schwarzweiß und Farbe, OmU, Kinostart: 12. Juli 2007 bei GMfilms

Foto: Verleih


www.gmfilms.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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