Swimmingpool

Faire l'amour

Kinostart: 29.6.2007 | Susanne Gupta | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Jean-Paul und Marianne, die leidenschaftlich Verliebten in "Swimmingpool", haben das Glück gepachtet. Die beiden verbringen den Sommer im luxuriösen Landhaus oberhalb von St. Tropez. Spätes Aufstehen und lange Sonnenbäder, unterbrochen von Plantschereien im Pool, langen erotischen Küssen und exzessiven Umarmungen bestimmen ihren Tagesablauf.

Sie liebten und sie schlugen sich

Romy Schneider und Alain Delon, die im Privatleben sechs Jahre lang ein Paar waren, bilden für den Spielfilm "Swimmingpool" die Idealbesetzung. Sie dort – wenn auch nur auf der Leinwand – so vertraut wiedervereinigt zu sehen, hat das französische Publikum wie die Kritik 1969 begeistert: "Noch nie gab es auf der Leinwand einen Film von so unmittelbarer Sinnlichkeit", schrieb die Zeitung L' Express. Regisseur Jacques Deray, der Fachmann für stimmungsvolle Krimis, schuf allerdings keinen Liebesfilm, sondern ein Psychodrama, das tief in die Abgründe einer passionierten Liebesbeziehung blicken lässt.

Aus der Traum


Überraschend erscheint Harry (Maurice Ronet), der Ex-Geliebte Mariannes und ein alter Freund Jean-Pauls, mit seiner 18-jährigen Tochter Penelope (Jane Birkin) auf der Bildfläche und es beginnt ein Spiel der Eifersucht, Demütigungen und Verletzungen und alles führt in die tödliche Katastrophe. Harry lässt den erfolglosen Schriftsteller Jean-Paul spüren, dass er Marianne jederzeit für sich zurückgewinnen kann. Sie flirtet mit Harry, weil sie ihre intensiven Gefühle für Jean-Paul nicht in gleicher Weise erwidert sieht. Dies wiederum reizt Jean Paul dazu, sich aus Trotz Penelope anzunähern und zu verführen. Als der betrunkene Harry eines Nachts Jean-Paul erneut aufs Äußerste provoziert, gerät dieser in eiskalte Rage. Ein plötzlicher Stoß in den Pool und langsam ertränkt Jean-Paul seinen alten Freund Harry, ohne mit der Wimper zu zucken. "Das war so großartig und dabei so fürchterlich, dass ich es einen Moment lang wirklich mit der Angst zu tun bekam. Ich dachte schon, Ronet würde nicht mehr an der Wasseroberfläche auftauchen", sagte Regisseur Deray über den Dreh der Mordszene.
Schön, brutal und verführerisch erscheint Delon in der Rolle des Jean Paul, ganz der kalte Engel, als den ihn sein Publikum vergöttern lernte. In "Swimmingpool" zeigt er wie zuvor schon in den großen Filmen "Nur die Sonne war Zeuge", (1959/60, Regie: René Clément), "Rocco und seine Brüder" (1960) und "Der Leopard" (1962/63), beide von Luchino Visconti inszeniert, zu welch glanzvollen Hochleistungen er als junger Schauspieler fähig war. "Düsterer denn je", beschrieb das Magazin Les Lettres françaises seine Mimik, die hinter der kultivierten Fassade stets eine bedrohliche Aggressivität verbirgt. Delon beherrscht den Bildraum mit großer körperlicher Präsenz und gefasstem Spiel, wobei er mit minimalem Bewegungseinsatz, etwa in einem einzigen Augenaufschlag, feinste Nuancen hervorzubringen weiß. Nicht in den bewusst nichtssagenden Dialogen, sondern in den Blicken, die sich Marianne und Jean Paul zuwerfen, mit denen sie sich ständig umkreisen und belauern, sind die schrecklichen Botschaften versteckt – was Deray virtuos zu inszenieren wusste.

Coolness-Faktor

Drehbuchautor Jean-Emmanuel Conil hatte die Rolle von Anfang an Alain Delon auf den Leib geschrieben. Danach suchte der Regisseur Deray die passende Gefährtin: "Es musste jemand sein, der ihm ein wenig überlegen und moralisch reifer war. Er bezaubert sie – sie analysiert ihn." Die Wahl fiel aufgrund Delons Vorliebe auf Romy Schneider, die mit "Swimmingpool" ihr erfolgreiches Leinwand-Comeback nach zweijähriger Babypause feierte. Die Dreharbeiten in Frankreich erlebte sie als Befreiungsschlag und es begann für sie die Phase ihrer fruchtbarsten Schauspielarbeit. Das ihr ewig anhängende Sissi-Image hatte Romy satt und ebenso "wie eine Ware beliebig verkauft und verpackt zu werden". Sie notierte in ihr Tagebuch: "In meiner Arbeit war ich noch nie so frei und so sicher wie jetzt." Zu der Anerkennung als Charakterdarstellerin, die sie sich so sehnlichst wünschte, verhalfen ihr vor allem die männlichen Regisseure in ihrer Wahlheimat Frankreich, etwa Claude Sautet oder später Claude Chabrol. Die deutsche Kritik lobte zwar "Swimmingpool", hatte aber auch Grund zu mäkeln, wenn sie Romy etwa als "wenig attraktive Mischung aus Derbheit und süßem Kinocharme" beschreibt. Aber die Schneider ist überzeugend, ebenso Jane Birkin, die den Kritikern kaum einen Halbsatz wert ist, obwohl ihr Charakter einer der interessantesten ist: Sie spielt die Penelope unbeholfen wie ein Kind und hat es doch faustdick hinter den Ohren; ein beeindruckendes Porträt eines merkwürdig schillernden Mädchens zwischen Naivität und Berechnung. Schon deswegen lohnt es sich immer "Swimmingpool" wieder anzusehen. Im Sommer wie im Winter.

Susanne Gupta ist freie Journalistin in Berlin und träumt manchmal vom blauen Mittelmeer.

Fotos: Atlas Film


www.de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Deray
Mehr zum Regisseur Jacques Deray
www.romy.de
www.mythos-romy-schneider.de
Fanseiten zu Romy Schneider




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