Ganges - Fluss zum Himmel

Das höchste Glück

Kinostart: 7.6.2007 | Susanne Gupta | Kommentar schreiben | Artikel drucken
An keinem anderen Ort der Welt erscheint der Tod so normal wie in Varanasi, der heiligen Stadt der Hindus am Ganges. Während am Marnikarniká-Ghat (Uferanlage) die Feuer zur Leichenverbrennung ohne Unterlass brennen, nehmen ungeachtet dessen ein Stückchen flussaufwärts jeden Tag unzählige Pilger/innen ihr Lebenskraft spendendes Bad. Der gelassenere Umgang der Hindus mit Vergänglichkeit und Tod hat das christliche Abendland seit je fasziniert, stellt er doch dort meist eine verdrängte, unsichtbare Realität dar. Jetzt hat die US-amerikanische Regisseurin Gayle Ferraro dieses Phänomen untersucht, in dem sie vier hinduistische Familien in ein Sterbehospiz der Stadt begleitet. "Ganges - Fluss zum Himmel" titelte sie ihren Dokumentarfilm, weil sich im Glauben der Hindus Himmel und Erde in Varanasi berühren. Dort soll der göttliche Mutterfluss Gangà herabgestürzt sein, dessen Wasserschwall der Gott Shiva mit seinem Kopf mildernd aufgefangen hat. Wer in Shivas Stadt den Tod erfährt und wessen Asche im Mutterfluss zerstreut wird, erlangt das höchste Glück: Der ewige Kreislauf der Wiedergeburten und Leiden hört auf und er geht ein ins Nirwana. Deshalb reißt der Strom der Gläubigen nie ab, die in Varanasi den Tod hoffnungsvoll erwarten.
Sich Menschen in solch einem intimen, außergewöhnlichen Moment zu nähern, erfordert viel: Einfühlung und ein feines Gespür für Nähe und Distanz. Zwar gelingt es Ferraro hin und wieder berührende Augenblicke einzufangen, die etwa zeigen, mit welch liebevoller Fürsorge Kinder ihre kranken, sterbenden Eltern pflegen. Trotzdem zerstören oft ein schneller Rhythmus und viel zu kurzatmige Bilder die Würde des Moments. So gibt der Film den Zuschauenden auch kaum Zeit, die einzelnen Familien näher kennen zu lernen. Schade, denn Ferraro hat spannende Interviewpartner/innen, die sich ihr in persönlichen wie informativen Aussagen über ihren Glauben anvertrauen. Zu kurz kommt im Film "Ganges - Fluss zum Himmel" zudem seine zweite Dimension: Dabei geht es um die gravierende industrielle Verschmutzung des Flusses und das Verhältnis von Umweltschützern und Hindus dazu – ein brisantes Thema, das allein schon eine Stunde Film wert gewesen wäre.
Susanne Gupta

(Ganges: River to Heaven) Dokumentarfilm, USA, Indien 2004, Buch und Regie: Gayle Ferraro, OmU, Kinostart: 7. Juni 2007 bei Kinostar

Foto: Verleih


www.gangesrivertoheaven.com
Website zum Film (englisch, deutsch)
www.kinostar.com
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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