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GG 19

Geschichten zum Grundgesetz

Kinostart: 31.5.2007 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Literaturverfilmungen gibt es wie Sand am Meer. Selbst Sachbücher wie Eric Schlossers "Fast Food Nation" (2006) werden mittlerweile zu pompösen Hollywood-Dramen mit Starbesetzung aufgeblasen. Trotz dieser Tendenz ist das Projekt, das der Produzent und Regisseur Harald Siebler initiiert hat, ziemlich ungewöhnlich. Handelt es sich doch bei dem Episodenwerk "GG 19" um nichts Geringeres als um die filmische Umsetzung der neunzehn Grundrechtsparagrafen.

Neunzehn junge Regisseure/innen, renommierte Darstellerinnen wie Anna Thalbach, Anna Loos oder Karoline Eichhorn sowie ein Soundtrack von F.M. Einheit von den Einstürzenden Neubauten – das alles weckt durchaus Hoffnungen auf eine ansprechende Adaption dieses auf den ersten Blick so trockenen Themas. Doch leider erreicht in den folgenden mitunter quälend langen 149 Minuten kaum einer der Beiträge auch nur das Niveau eines durchschnittlichen Studentenfilms.

Wenn eine ältere Dame vor dem Reichstag "Nie wieder!" skandiert und dabei auf ihr "Recht auf Versammlungsfreiheit" pocht oder eine attraktive junge Frau während eines Bewerbungsgesprächs von fiesen Machochefs diskriminiert wird – was natürlich gegen ihr "Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz" verstößt –, ist das wenig originell. Wenn eine Frisörin während eines Arztbesuches erfährt, dass sie einen extrem zeugungsfähigen Sohn gebären wird, der den immer bedrohlicher werdenden Bevölkerungsrückgang beheben soll, und auf diese Weise der Paragraf zur "Vergesellschaftung von Grund und Boden" erklärt werden soll, wird gar die Grenze zur Sinnlosigkeit erreicht.

Nur wenige Kurzfilme können überzeugen, etwa der von Johannes von Gwinner zum Thema "Menschenwürde", der sich in seiner Dramaturgie an David Finchers "The Game" (1997) orientiert: Ein Mann wird unwissentlich zum Protagonisten einer Reality-TV-Show und durchleidet dabei Höllenqualen. Originell ist Marcel Ahrens' pointierter Beitrag "Schöner Wohnen". Darin kauft ein junges Paar von einem windigen Makler ein vermeintlich idyllisches Haus, das jedoch, wie sich herausstellt, direkt an einer Bahnstrecke gelegen ist. Geschickt spielt der Film mit den Erwartungen der Zuschauer/innen, denn die beiden sind taub, der vermeintliche Fehlkauf entpuppt sich als veritables Schnäppchen.

Immerhin einer der Beteiligten scheint sich der ansonsten vorherrschenden Tendenz zur Ideenlosigkeit von "GG 19" bewusst gewesen zu sein: Der Schöpfer von "Der große Videoschwindel" hat sich des Pseudonyms Alan Smithee bedient, das Regisseure wählen, wenn sie sich von einem Film distanzieren möchten. Eine vernünftige Entscheidung, selten zuvor ist die Verfilmung eines Buches derart gescheitert. Wer sich mit dem Thema Grundrechte auseinander setzen möchte, dem sei die literarische Vorlage ans Herz gelegt: Sie ist 1949 unter dem Titel "Das Grundgesetz" erschienen.
Andreas Resch

GG 19, Deutschland 2007, Regie: Harald Siebler, Marion Kracht, Suzanne von Borsody, Johannes von Gwinner, Savaş Ceviz u.a., Buch: Harald Siebler, Kathi Liers, Catherine Ann Berger, Raimund Maessen, Sonia Karst, Savaş Ceviz u.a., mit Anna Thalbach, Axel Neumann, Katharina Wackernagel, Karoline Eichhorn, Nicki von Tempelhoff, Kinostart: 31. Mai 2007 bei NFP

Foto: Verleih


www.gg19.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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